Detmold legt acht neue Stolpersteine
42 Mahnmale erinnern nun an Opfer des Nationalsozialismus – Schülerinnen und Schüler übernahmen Patenschaften
Mit der Verlegung von acht neuen Stolpersteinen an drei Standorten hat die Stadt Detmold ein weiteres Zeichen der Erinnerungskultur gesetzt. Die feierlichen Einweihungen an Elisabethstraße, Freiligrathstraße und Lemgoer Straße wurden maßgeblich von Detmolder Schülerinnen und Schülern sowie von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe gestaltet.
Insgesamt gibt es in der Kulturstadt nun 42 dieser dezentralen Mahnmale: 41 Stolpersteine und eine Stolperschwelle. Die Verlegungen stehen nach Angaben der Stadt für ein bewusstes Innehalten an den Orten, an denen das Unrecht begann.
Erinnerung an jüdische Persönlichkeiten und ihr Wirken
Die neuen Stolpersteine erinnern an Detmolder Bürgerinnen und Bürger, die das gesellschaftliche und schulische Leben der Stadt geprägt hatten, bevor sie durch das nationalsozialistische Regime systematisch ausgegrenzt und ermordet wurden. Im Mittelpunkt des Gedenkens standen die Lehrerin Hedwig Block, der Lehrer und Prediger Moritz Rülf mit seiner Ehefrau Erika sowie das Ehepaar Max und Elli Alexander.
Nach der Pressemitteilung leistete die Familie Alexander jüdische Bildungsarbeit und Seelsorge unter extremsten Bedingungen bis zu ihrer Deportation fort. Die Biografien dieser Menschen machen laut Stadt deutlich, wie schnell ein Rechtsstaat erodieren kann und welche Bedeutung Zivilcourage, Bildung und gegenseitige Unterstützung für eine funktionierende Gesellschaft haben.
Frank Hilker: Erinnerung beginnt im Alltag
Bürgermeister Frank Hilker würdigte den Charakter des Projekts Stolpersteine, das vor rund drei Jahrzehnten vom Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen wurde. Er betonte, dass die NS-Ideologie auf die vollständige Vernichtung von Leben, Identität und Erinnerung abgezielt habe. Das dezentrale Mahnmal breche die anonyme Masse der Millionen Opfer auf das Schicksal des Einzelnen herunter.
Hilker machte deutlich, dass die Steine genau dort ansetzen, wo das Unrecht begann: mitten im Alltag, vor den ehemaligen Wohnhäusern und Wirkungsstätten der früheren Nachbarinnen und Nachbarn.
Gedenkarbeit als Verantwortung in der Gegenwart
Der Bürgermeister ordnete die Verlegung zudem als Beitrag zur Gegenwart ein. Gedenkarbeit sei kein Selbstzweck und keine reine Pflichtübung gegenüber der Vergangenheit. Sie sei eine ständige Überprüfung des eigenen Kompasses im Hier und Jetzt.
Schulen übernehmen Patenschaften und gestalten die Zeremonien
Ein zentraler Bestandteil der Verlegungen war das Engagement der jüngeren Generation. Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Leopoldinum und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule übernahmen Patenschaften für die Pflege der neuen Stolpersteine und gestalteten die feierlichen Zeremonien mit.
Mit Wort- und musikalischen Beiträgen, eigens erarbeiteten künstlerischen Werken sowie der sensiblen Gestaltung individueller Gedenksteine verliehen sie den Veranstaltungen eine persönliche Würde. Damit knüpfte ihr Einsatz an den Appell des Bürgermeisters an, historische Fakten vor Ort mit einem Blick nach vorn zu verbinden.
Würdiger Abschluss an allen drei Verlegeorten
Einen emotionalen und spirituellen Schlusspunkt setzten Joanne Herzberg und Petra Hölscher von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Sie sprachen an allen drei Verlegeorten das traditionelle jüdische Totengebet Kaddisch in hebräischer und deutscher Sprache.
Die Zeremonien endeten damit mit einem Moment des Innehaltens, der den Anwesenden nach Angaben der Mitteilung die Bedeutung des Gedenkens noch einmal vor Augen führte.
Dank an alle Beteiligten
Frank Hilker dankte allen Beteiligten, besonders der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die den entsprechenden Antrag in den Detmolder Stadtrat eingebracht hatte. Er würdigte zugleich die Mitwirkung und historische Recherche, durch die die Verlegung der acht Steine möglich wurde.
Nach seinen Worten leisten alle Beteiligten damit einen unverzichtbaren Beitrag für das demokratische Bewusstsein der Stadt.
Die neuen Stolpersteine im Überblick
An der Elisabethstraße gestalteten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte des Gymnasium Leopoldinum die Feierlichkeiten mit musikalischen und Wortbeiträgen. An der Freiligrathstraße und an der Lemgoer Straße stellten Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule das Leben der Gewürdigten in Bildern dar.
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