Neuer Gleichstellungs- und Aktionsplan für Hattingen

Vier Handlungsfelder für die kommenden vier Jahre – vorgestellt im Rat und beraten im Ausschuss

Neuer Gleichstellungs- und Aktionsplan für Hattingen
Bild zum Beitrag© Wegemann, Susanne

Im Rat der Stadt Hattingen ist der neue Gleichstellungs- und Aktionsplan vorgestellt worden. Präsentiert wurde er von der Gleichstellungsbeauftragten Katrin Brüninghold. Der Plan war zuvor bereits im Personal- und Gleichstellungsausschuss ausführlich beraten und mit breiter Zustimmung zur Beschlussfassung empfohlen worden.

Der Gleichstellungs- und Aktionsplan bündelt zahlreiche Projekte und Maßnahmen, die in den kommenden vier Jahren umgesetzt werden sollen. Nach Angaben der Stadt erfüllt Hattingen damit nicht nur gesetzliche Verpflichtungen aus dem Landesgleichstellungsgesetz, sondern setzt auch den Verfassungsauftrag aus dem Grundgesetz um, wonach der Staat die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirkt.

Plan soll auf bestehende Ungleichheiten reagieren

Wie die Gleichstellungsbeauftragte im Rat erläuterte, basiert der Plan auf aktuellen Daten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen der Menschen vor Ort. Er greift nach Darstellung der Stadt weiterhin bestehende Ungleichheiten auf. Demnach übernehmen Frauen nach wie vor einen größeren Anteil der unbezahlten Sorgearbeit, arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen im Durchschnitt weniger und sind häufiger von Altersarmut betroffen. Auch geschlechtsspezifische Gewalt wird als zentrale gesellschaftliche Herausforderung benannt.

Katrin Brüninghold betonte, Gleichstellung bedeute nicht, alle Menschen gleich zu machen. Ziel sei es vielmehr, Barrieren abzubauen, damit Geschlecht, Herkunft oder traditionelle Rollenbilder nicht über Chancen und Möglichkeiten entscheiden.

Vier Handlungsfelder im Fokus

Der Gleichstellungs- und Aktionsplan konzentriert sich auf vier zentrale Bereiche:

Politische Teilhabe und Sichtbarkeit

Die Stadt Hattingen will mehr Frauen für kommunalpolitisches Engagement gewinnen und politische Beteiligung niedrigschwelliger ermöglichen. Als Beispiel nennt die Stadt das neue Veranstaltungsformat „Popcorn und Politik“, das Politik verständlich und zugänglich erlebbar machen soll. Zudem ist eine familienfreundlichere Sitzungskultur vorgesehen, um politische Arbeit besser mit familiären Verpflichtungen vereinbaren zu können.

Faire Arbeitsbedingungen und Vielfalt

Als Arbeitgeberin plant die Stadt Maßnahmen, um Frauen gezielt auf dem Weg in Führungspositionen zu unterstützen. Dazu gehört unter anderem die Workshop-Reihe „Frauen und Führung“. Zugleich sollen Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung weiterentwickelt und eine diskriminierungsfreie Arbeitskultur gestärkt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung aktiver Vaterschaft. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird dabei ausdrücklich als gemeinsame Verantwortung verstanden und nicht als Aufgabe, die allein Frauen betrifft.

Beratung, Bildung und Prävention

Ein wesentlicher Bestandteil des Plans ist der Schutz und die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Mit dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt und dem Projekt KoRA sollen Hilfsangebote für gewaltbetroffene Frauen weiterentwickelt werden.

Darüber hinaus setzt die Stadt auf Projekte wie Girls'Day und Boys'Day, um Rollenklischees aufzubrechen und jungen Menschen vielfältige berufliche Perspektiven zu eröffnen. Auch Alleinerziehende sowie Frauen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, sollen stärker unterstützt werden.

Geschlechtergerechte Stadtentwicklung

Der Plan bezieht auch den öffentlichen Raum ein. Vorgesehen sind unter anderem die Identifikation von Angsträumen und Verbesserungen bei der Beleuchtung öffentlicher Bereiche. Ziel ist es nach Angaben der Stadt, dass sich alle Menschen sicher bewegen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Strategischer Rahmen für die kommenden Jahre

Zum Abschluss der Vorstellung warb die Gleichstellungsbeauftragte dafür, Gleichstellung nicht als abgeschlossenes Thema zu betrachten. Sie hob hervor, dass eine Stadt ihr Potenzial nur dann vollständig nutzen könne, wenn alle Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können.

Mit dem Gleichstellungs- und Aktionsplan schafft die Stadt Hattingen nach eigener Darstellung einen strategischen Rahmen für konkrete Maßnahmen und versteht Gleichstellung als gemeinsame Aufgabe von Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft. Brüninghold fasste dies mit den Worten zusammen: „Wer die tatsächliche Gleichberechtigung stärkt, stärkt unsere Demokratie“.

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