„Ausbildung im Quartier“: Berufsorientierung in Dorsten praxisnah vernetzen
WINDOR entwickelt mit Schulen und Unternehmen 2026 bis 2028 Angebote und einen Leitfaden für mehr Ausbildungsinteresse nach Praktika.
Mit dem Projekt „Ausbildung im Quartier“ will die Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH (WINDOR) die Berufsorientierung stärken und Schulen sowie Unternehmen in Dorsten enger vernetzen. Hintergrund ist ein deutlich spürbares Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt: Nach Angaben der WINDOR blieben allein im Jahr 2024 in Dorsten rund 40 Prozent der angebotenen Ausbildungsstellen unbesetzt.
Das vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union geförderte Projekt läuft vom 1. Januar 2026 bis zum 30. Juni 2028. Es trägt den Titel „Unternehmen bewegen – Berufsorientierung verbessern – Wege in die berufliche Zukunft gemeinsam gestalten“.
Quartiersbezogener Ansatz an zwei Schulstandorten
Im Mittelpunkt steht ein lokaler Ansatz an den Schulstandorten Neue Schule Dorsten und Gesamtschule Wulfen. Gemeinsam mit Unternehmen aus der unmittelbaren Nachbarschaft sollen dort neue praxisnahe Angebote zur beruflichen Orientierung entwickelt und erprobt werden. Diese sollen die bereits bestehenden schulischen Standardangebote wie Potenzialanalyse, Berufsfelderkundung und Praktika ergänzen.
Besonders angesprochen sind kleine und mittlere Unternehmen, die sich im wirtschaftlichen Wandel befinden oder aktiv an Transformationsprozessen mitwirken. Genannt werden in diesem Zusammenhang insbesondere die Bereiche Klimaneutralität, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung. Die Betriebe sollen dabei unterstützt werden, sich Jugendlichen frühzeitig als Ausbildungsunternehmen zu präsentieren, ihre Praktikums- und Ausbildungsangebote weiterzuentwickeln und den Austausch mit Schulen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern auszubauen.
Gemeinsame Entwicklung neuer Formate
Nach Angaben der WINDOR setzt das Projekt auf Dialog und Beteiligung. Unternehmen, Schulen, Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie weitere Akteure aus dem Übergang von der Schule in den Beruf sollen gemeinsam neue Formate erarbeiten. Als mögliche Bausteine nennt die Pressemitteilung:
- enger begleitete Praktikumskonzepte,
- regelmäßige Kontaktmöglichkeiten zwischen Betrieben und Jugendlichen,
- Workshops zur Praktikums- und Berufsvorbereitung,
- eine stärkere Einbindung von Unternehmen in den Schulalltag.
Ziel ist es, aus positiven Praktikumserfahrungen konkretes Ausbildungsinteresse entstehen zu lassen und Schülerinnen und Schüler bei einer fundierten, selbstbestimmten Berufswahl zu unterstützen. Bis zum Ende der Projektlaufzeit soll ein praxiserprobter Leitfaden mit Checklisten, Best-Practice-Beispielen und konkreten Handlungsempfehlungen entstehen, insbesondere für Unternehmen.
Ulla Busch vom Projekt „Ausbildung im Quartier“ erklärt dazu: „Ausbildung gelingt vor allem dort, wo junge Menschen und Unternehmen einander wirklich kennenlernen. Genau das wollen wir mit ‚Ausbildung im Quartier‘ vor Ort in Dorsten ermöglichen – ganz konkret, im direkten Umfeld der Schulen.“
Auch Arno Schade, bei der WINDOR zuständig für Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, hebt laut Pressemitteilung die Bedeutung des Projekts für den Ausbildungsstandort Dorsten hervor. Fachkräftesicherung beginne bereits in der Schule; lokal ansässige Unternehmen böten dabei großes, bislang zu wenig genutztes Potenzial.
„Markt der Möglichkeiten“ an der Neuen Schule Dorsten
Ein erstes konkretes Format wurde bereits an der Neuen Schule Dorsten umgesetzt. Am Freitag, 10. Juli 2026, fand dort ein „Markt der Möglichkeiten“ für Schülerinnen und Schüler des achten Jahrgangs statt. Die Jugendlichen konnten sich darüber informieren, welche Angebote zur beruflichen Orientierung nach den Sommerferien vorgesehen sind.
Nach Angaben der WINDOR beginnt mit dem 9. Jahrgang an der Neuen Schule Dorsten die intensivere Phase der Berufsorientierung. Vor Ostern 2027 steht dort das erste mehrwöchige Praktikum in einem Unternehmen an. Gemeinsam mit dem Stubo-Team der Schule sei deshalb die Idee entstanden, in der 9. Klasse mehr Praxis anzubieten.
Vorgesehen sind Workshops in den Bereichen:
- Verkauf & Handel,
- Handwerk & Gestalten,
- Handwerk,
- Technik & Programmieren.
Neben den Standard-KAoA-Angeboten und der Berufsberatung der Arbeitsagentur sollen im Rahmen des Projekts zusätzliche und kreative Möglichkeiten der Berufsorientierung entstehen. Unternehmen, die sich beteiligen möchten, können nach Angaben der WINDOR ihre Kontakte zur Schule auf diesem Weg ausbauen.
Projektträger und Zielgruppe
Projektträger ist die Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH. Die Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen im Umfeld der beiden Schulen, insbesondere transformationsaffine Betriebe. Eingebunden werden sollen Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8.
Ulla Busch will nach Angaben der WINDOR aktiv Unternehmen im Quartier ansprechen, um für eine Beteiligung zu werben. Interessierte Betriebe sowie Unternehmen, die Ausbildungs- und Praktikumsplätze anbieten möchten, können sich direkt an sie wenden.
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