Dorsten startet Leitlinienprozess für Bürgerbeteiligung
30 Vertreter entwickeln verbindliche Grundlagen und praktische Projekte – Verabschiedung Anfang 2026 geplant

Der Leitlinienprozess für die Bürgerkommune Dorsten verfolgt das Ziel, transparente und verbindliche Grundlagen für die Zusammenarbeit zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Politik zu schaffen. Seit Anfang des Jahres arbeiten rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen an diesem zukunftsweisenden Vorhaben.
Hintergrund und Vorgehen
Initiiert wurde der Prozess durch einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2019. Anders als in vielen anderen Städten, in denen zunächst Leitlinien erarbeitet und erst danach Beteiligung ermöglicht wird, hat Dorsten den umgekehrten Weg gewählt. Bürgerinnen und Bürger wurden von Beginn an in Stadtteilkonferenzen, Spielplatzplanungen und Ehrenamtsprojekte einbezogen. Ziel ist es, Verlässlichkeit und Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen und Bürgerbeteiligung aktiv zu leben.
Stimmen aus dem Prozess
Moderiert wird der Leitlinienprozess von Joachim Thiehoff und Lars Ernst. Sie betonen die konstruktive Zusammenarbeit und die offene Atmosphäre: „Wir arbeiten sehr konstruktiv zusammen – über Unterschiede hinweg. Alle Beteiligten haben eine Haltung und es ist wichtig, diese einzusetzen.“
Barbara Simon, Vertreterin aus der Politik, hebt die breite Aufstellung und das positive Klima hervor: „Die Zusammenarbeit ist von Wertschätzung und echtem Interesse geprägt. Es ist ein gutes Signal, dass dieser Prozess so breit aufgestellt ist.“
Alina Haarnagel, Trägerin des Ehrenamtspreises „Junges Engagement“ 2024, bringt die Perspektive junger Menschen mit ein: „Ich habe über das Jugendgremium Dorsten viele Erfahrungen gemacht. Jetzt möchte ich mithelfen, dass Kinder und Jugendliche künftig stärker mitgedacht werden.“
Auch Frank Hesse, aktiv in der Altstadtkonferenz, schildert die positive Entwicklung: „Am Anfang war es für viele ungewohnt, inzwischen sind wir ein richtiges Team geworden – das gelebte Bürgerkommune.“
Rieke Kolocek aus der Stadtverwaltung betont die Praxisorientierung des Prozesses: „Wir achten auf einfache Sprache und verständliche Strukturen. Am Ende darf kein Schreibtischfüller stehen, sondern ein alltagstaugliches Arbeitsinstrument für Bürgerbeteiligung.“
Geplante Werkzeuge für die Bürgerbeteiligung
Damit soll die Bürgerbeteiligung in Dorsten sowohl übersichtlich als auch verbindlich und wirksam gestaltet werden.
Grenzen und Transparenz
Bürgermeister Tobias Stockhoff unterstreicht, dass nicht alle Wünsche uneingeschränkt umgesetzt werden können. „Es gibt rechtliche, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen. Transparenz ist daher entscheidend – auch die Unterscheidung zwischen echter Beteiligung und reiner Information.“
Pausierung und Ausblick
Die Arbeitsgruppe pausiert aktuell, um eine Politisierung des Themas während des Kommunalwahlkampfs zu vermeiden. Im Herbst wird die Arbeit wieder aufgenommen, und die Verabschiedung der Leitlinien durch den Stadtrat ist für Anfang 2026 vorgesehen.
Mit dem Leitlinienprozess setzt Dorsten ein Signal für konstruktive Beteiligung, Verlässlichkeit und Transparenz. Die Entwicklung bleibt spannend – insbesondere im Hinblick auf die kommenden politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen.
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