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Betreff: pld - "Virtuose der Kamera, Opportunist der Macht": Filmreihe zu Hans Ertl in der Black Box
Pressedienst der Landeshauptstadt Düsseldorf
"Virtuose der Kamera, Opportunist der Macht": Filmreihe zu Hans Ertl in der Black Box
Kino im Filmmuseum vom 11. November bis 23. Dezember 2026
Hans Ertl (1908-2000) war Kameramann, technischer Pionier und ein versierter Bildgestalter. Zugleich stellte er sein Können bereitwillig in den Dienst des NS-Regimes und trug mit seiner Arbeit zur ästhetischen Inszenierung nationalsozialistischer Ideologie bei. Die Filmreihe in der Black Box – Kino im Filmmuseum widmet sich einem Filmschaffenden, dessen außergewöhnliches handwerkliches Talent und die Frage nach politischer Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sind.
Ertl prägte als Kameramann Filme wie S.O.S. EISBERG (1932/33), wirkte an Leni Riefenstahls OLYMPIA (1936-38) mit und fotografierte ihren Propagandakurzfilm TAG DER FREIHEIT! – UNSERE WEHRMACHT (1935). Seine spektakulären Aufnahmen, nicht zuletzt aus dem Hochgebirge und später aus der Unterwasserwelt, verschafften ihm einen herausragenden Ruf. Dabei profitierte er unmittelbar von den kulturpolitischen Strukturen des NS-Staates. Dass seine Bilder nicht bloß unpolitische Natur- und Körperästhetik vermittelten, sondern auch den nationalsozialistischen Vorstellungen von Stärke, Disziplin und Überlegenheit entsprachen, blendete er zeitlebens aus. Stattdessen stilisierte er sich zum unpolitischen Künstler, der lediglich den Anforderungen seiner Zeit gefolgt sei.
Nach Kriegsende wurde Ertl mit einem Berufsverbot belegt und arbeitete zunächst als Fotoreporter. 1954 blieb ihm der bereits zugesagte Bundesfilmpreis für seine Bergdokumentation NANGA PARBAT (1953) verwehrt. Daraufhin wandte er der Bundesrepublik den Rücken zu und ließ sich endgültig in Bolivien nieder, das er bereits seit einer mehrjährigen Expedition ab 1948 kannte. Dort realisierte er Natur- und Expeditionsfilme wie HITO-HITO (1958), mit denen er beim Publikum erfolgreich war.
Sein Leben in Bolivien war jedoch auch von einer folgenreichen Nähe zu geflohenen NS-Tätern geprägt. Besonders schwer wiegt seine Verbindung zu Klaus Barbie, dem ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, der unter dem Namen Klaus Altmann in Bolivien untergetaucht war. Die Verstrickungen der Familie sollten dramatische Folgen haben: Ertls Tochter Monika radikalisierte sich politisch, schloss sich der bolivianischen Befreiungsarmee (ELN) an und wurde 1973 vom bolivianischen Geheimdienst getötet. Zuvor hatte sie den bolivianischen Konsul in Hamburg erschossen, aus Rache für die Hinrichtung Che Guevaras. An ihrer Verfolgung soll auch Klaus Barbie beteiligt gewesen sein.
Hans Ertl selbst zog sich auf sein abgelegenes Anwesen La Dolorida zurück, wo er sich als eigenwilliger Außenseiter inszenierte. Ein Schild mit der Aufschrift "Freistaat Bayern" markierte den Eingang. In seinen Erinnerungen pflegte er das Bild eines von Deutschland und Bolivien gleichermaßen Verkannten und Verratenen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seiner eigenen Vergangenheit blieb aus. Seinen Dienst für das NS-Regime und seinen Rang als Oberleutnant rechtfertigte er unter anderem mit der Behauptung, dadurch seine Familie vor der Deportation in ein Konzentrationslager bewahrt zu haben. Auch damit verschob er die Verantwortung für seine Entscheidungen auf die äußeren Umstände.
Die Filmreihe nimmt Hans Ertl als gleichermaßen bedeutenden wie belasteten Filmschaffenden in den Blick. Sie fragt nach dem Verhältnis von filmischer Ästhetik und politischer Ideologie, nach den Handlungsspielräumen eines Künstlers im Nationalsozialismus und nach den Kontinuitäten seiner Selbstrechtfertigung nach 1945. Ertl war kein bloßer Mitläufer am Rand der Filmgeschichte: Er nutzte die Möglichkeiten, die ihm das NS-Regime eröffnete, und profitierte von dessen Strukturen. Bis zu seinem Tod im Jahr 2000 verweigerte er eine kritische Aufarbeitung seiner Rolle. Auf eigenen Wunsch wurde er in seiner alten Wehrmachtsuniform beigesetzt.
Mit wissenschaftlichen Einführungen des Filmmuseums sowie der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.
Die Filme im Überblick:
Mittwoch, 11. November, 20 Uhr
S.O.S. EISBERG · D 1932/33
Einführung in die Filmreihe: Florian Deterding (Filmmuseum)
Samstag, 14. November, 18.30 Uhr
OLYMPIA: FEST DER VÖLKER + OLYMPIA: FEST DER SCHÖNHEIT · D 1936-38
Einführung: Philipp Hanke (Filmmuseum)
Freitag 20. November, 19 Uhr
GESUCHT: MONIKA ERTL · BRD 1989
Samstag 21. November, 19 Uhr
HOTEL TERMINUS. THE LIFE AND TIMES OF KLAUS BARBIE · USA 1985-88
Mittwoch 2. Dezember, 20 Uhr | Freitag 11. Dezember, 19 Uhr
NANGA PARBAT · BRD 1953
Einführung am 2. Dezember: Jona Winstroth (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf) über
jüdische Düsseldorfer*innen im bolivianischen Exil und die spätere Flucht von
NS-Tätern in dasselbe Land.
Samstag 12. Dezember, 19 Uhr | Mittwoch, 23. Dezember, 20 Uhr
TAG DER FREIHEIT! – UNSERE WEHRMACHT · D 1935 HITO – HITO · BRD 1958
Die Filme werden in der BLACK BOX – Kino im Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, Schulstraße 4, gezeigt.
De Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro / mit Black-Box-Pass 4 Euro
Vorverkauf an der Kinokasse des Filmmuseums.
Kontakt: 0211-8992232.
Weitere Informationen im Internet unter http://www.filmmuseum-duesseldorf.de/black-box-kino
Zwei Fotomotive von Hans und Monika Ertl stehen zur Verfügung unter https://duesseldorf.canto.de/b/NG80H
Redaktion: Buch, Michael
03.11.26
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