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Begrenzte Gewerbeflächen in Rhein-Neckar: Bedarf trifft auf Flächenmangel

Welche Lösungsansätze im dritten Teil der Serie beleuchtet werden

Von Redaktion LK Rhein-Neckar-Kreis19.08.26, 08:51

Die Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises widmet sich in einer dreiteiligen Serie den Herausforderungen der Flächenentwicklung. Im zweiten Teil steht die Frage im Mittelpunkt, warum der Mangel an Gewerbeflächen nicht nur Unternehmen, sondern auch Städte und Gemeinden betrifft.

Flächenmangel in einer wirtschaftsstarken Region

Die Metropolregion Rhein-Neckar zählt wirtschaftlich zu den stärksten Räumen Deutschlands, zugleich ist der verfügbare Platz begrenzt. Eine Studie des Verbands Region Rhein-Neckar aus dem Jahr 2019 ging davon aus, dass bis 2035 ein Defizit von knapp 500 Hektar Gewerbefläche in der Metropolregion entstehen könnte. Der Rhein-Neckar-Kreis gehörte dabei zu den Kreisen mit dem größten Bedarf.

Seitdem habe sich die wirtschaftliche Entwicklung zwar deutlich gebremst, heißt es in der Mitteilung. An der begrenzten Fläche habe sich jedoch naturgemäß nichts geändert. Viele Unternehmen seien weiterhin auf der Suche nach geeigneten Grundstücken.

Wofür Unternehmen Gewerbeflächen brauchen

Unternehmen benötigen Flächen unter anderem, um ihre Produktion zu erweitern oder Lager- und Logistikflächen einzurichten. Gerade Industrie und Handwerk seien häufig auf größere zusammenhängende Flächen mit guter Verkehrsanbindung angewiesen. Solche Standorte seien in dicht besiedelten Regionen rar, auch im Rhein-Neckar-Kreis.

Als Beispiel nennt die Mitteilung ein mittelständisches Unternehmen aus Wiesloch, dessen Geschäftsführer seit Jahren nach geeigneten Gewerbe- beziehungsweise Produktionsflächen sucht. Benötigt würden diese insbesondere, um Produktionsanlagen zu modernisieren, die Logistik effizienter zu machen, Lager- und Sozialflächen zu verbessern sowie die Produktionskapazitäten zu erhöhen.

Die Suche sei bislang erfolglos geblieben, ohne dass dies nach Angaben des Unternehmens an der Kommune vor Ort liege. Als Hauptproblem werde genannt, dass aktuell keine größeren Flächen von 6.000 Quadratmetern verfügbar seien und Kommunen durch Bürokratie oft viele Jahre benötigten, um neue Gebiete zu erschließen.

Die aktuelle Lage behindere die Entwicklung des Unternehmens deutlich. Mehrere Wachstums- und Automatisierungsschritte hätten in den vergangenen Jahren zurückgestellt werden müssen. Auch zusätzliche Verpackungs- und Haltbarkeitslösungen ließen sich am derzeitigen Standort nur eingeschränkt oder gar nicht umsetzen. Für den bundesweiten Vertrieb würden diese jedoch gebraucht.

Das Familienunternehmen wolle die Region dennoch nicht verlassen. Die Pläne seien nicht aufgegeben worden, sondern würden weiterverfolgt. Die Nachfrage nach den Produkten sei vorhanden, und es gebe grundsätzlich gute Entwicklungsperspektiven. Die größte Herausforderung bleibe jedoch, eine geeignete Fläche zu finden, die sowohl produktionstechnisch als auch wirtschaftlich realisierbar sei.

Folgen für Kommunen

Wenn Unternehmen sich nicht erweitern können, vor Ort nicht mehr investieren oder abwandern, betrifft das auch Städte und Gemeinden finanziell. Dorothee Wagner, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises, verweist darauf, dass die Gewerbesteuer eine der wichtigsten Einkommensquellen für Kommunen sei und direkt von den Unternehmen vor Ort erhoben werde. Die prekäre Lage zahlreicher Kommunen im Kreis könnte durch steigende Gewerbesteuereinnahmen zumindest gemildert werden.

Auch die Einkommensteuer spiele eine Rolle. Städte und Gemeinden erhielten 15 Prozent der Einkommensteuer ihrer Einwohner. Mehr Arbeitsplätze, mehr Einwohnerinnen und Einwohner sowie steigende Einkommen vor Ort führten zu höheren Einnahmen der Kommune. Wenn Betriebe abwanderten und Arbeitsplätze verloren gingen, sei das ein schwerer Einschnitt.

Eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung bedeute daher weniger finanzielle Spielräume für Infrastruktur, Schulen oder Vereine – und damit letztlich für alle Bürgerinnen und Bürger. Zugleich stünden Kommunen unter Druck, Wohnraum zu schaffen und Freiflächen zu schützen. Dadurch verschärften sich Nutzungskonflikte, wie sie etwa kürzlich in Weinheim bei der Hinteren Mult aufgetreten seien.

Weitere Faktoren verschärfen den Flächenbedarf

Nach Angaben der Mitteilung verschärfen mehrere Entwicklungen die Lage zusätzlich. Rechenzentren, Logistik und Onlinehandel mit großen Warenlagern erhöhten den allgemeinen Flächenbedarf. Dabei seien gerade Zwischenlager für Importe wenig gut für die Gewerbesteuereinnahmen, weil die Wertschöpfung an einem anderen Ort stattfinde und die betreffenden Unternehmen meist keine Gewerbesteuer in der Kommune zahlten, da sich die eigentliche Betriebsstätte woanders befinde.

Auch Energiewende und Klimaanpassung beanspruchten zusätzliche Räume. Energieanlagen wie Photovoltaik oder Windkraft flössen nicht nur statistisch in Gewerbeflächen ein, sondern belegten ganz real Flächen. Überschwemmungsgebiete entlang von Flüssen böten wichtigen Schutz vor Hochwasser, dürften aber nicht bebaut werden.

Hinzu komme, dass die zugespitzte Lage durch den Klimawandel und die zunehmende Konkurrenz um die letzten verbliebenen Flächen zu intensiveren Diskussionen zwischen den Beteiligten und teils zu langwierigen Abstimmungsprozessen führe. Entwicklungen würden dadurch verzögert oder ganz verhindert.

Gelegentlich komme es außerdem vor, dass Eigentümerinnen oder Eigentümer ihre Flächen oder Hallen aus Spekulationsgründen dauerhaft leer stehen ließen. Teilweise würden eigentlich verfügbare Gewerbeflächen auch wenig effizient genutzt, etwa als Abstellflächen für Wohnmobile.

Welche Lösungsansätze es bereits gibt und wie der Balanceakt gelingen kann, soll Teil 3 der Serie zeigen: „Wir lösen das!“

Bildinformation: Blick auf einen Teil des Industriegebiets in Edingen-Neckarhausen, das erweitert wurde. Das Bild wurde am 22. Mai 2025 aufgenommen.

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Blick auf einen Teil des Industriegebiets in Edingen-Neckarhausen, das erweitert wurde.
Blick auf einen Teil des Industriegebiets in Edingen-Neckarhausen, das erweitert wurde. (Bild wurde am 22. Mai 2025 aufgenommen)Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

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