Plattdeutsche Geschichten lebendig gehalten

Neues Archiv in Geseke bewahrt 26 Erzählungen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts in Wort und Ton

Von Redaktion Geseke
Plattdeutsche Geschichten lebendig gehalten
Bild zum Beitrag© Redaktion Geseke

Im Stadtarchiv Geseke ist seit Kurzem ein außergewöhnliches Text- und Audioarchiv verfügbar, das sich der Bewahrung der plattdeutschen Sprache widmet. Mit großem Engagement wurde über mehrere Monate ein Schatz an Anekdoten und Geschichten zusammengetragen, die den Alltag und die Sprachkultur insbesondere der landwirtschaftlich geprägten Bevölkerung rund um den Zweiten Weltkrieg und die 1950er Jahre widerspiegeln.

Einblick in das Projekt

Kern dieses Projekts sind 26 sogenannte "Vertellekes": humorvolle, nachdenkliche und lebensnahe Erzählungen, die auf eigenen Erfahrungen des Verfassers basieren. Die Texte wurden sowohl auf Plattdeutsch als auch auf Hochdeutsch erstellt und im Rahmen regelmäßiger Treffen mit viel Sorgfalt vertont und nachbearbeitet. Nun können Besucher die Anekdoten nicht nur lesen, sondern im authentischen Klang erleben.

Bewahrung der Sprachkultur

Das Archiv verfolgt das Ziel, ein Stück regionaler Identität lebendig zu halten. Plattdeutsch war einst die gängige Umgangssprache; seit den 1960er Jahren wurde sie jedoch durch das Hochdeutsche weitgehend verdrängt. Trotz verschiedener Initiativen, etwa Lesewettbewerben an Schulen, konnte der Sprachverlust nicht dauerhaft aufgehalten werden. Inzwischen sprechen nur noch wenige Menschen Plattdeutsch als Muttersprache.

Wie Ralf Schumacher, Franz-Josef Koch und Gerhard Schulte anmerken: "Eine plattdeutsche Mundart gab es eigentlich gar nicht, jeder Ort hatte früher seine eigene Mundart. Menschen konnten früher oft an feinen Lautunterschieden erkennen, aus welchem umliegenden Dorf jemand stammt. Ich freue mich daher sehr, dass wir mit unserer Sammlung einen Beitrag leisten können, das Geseker Platt in der Nachwelt zu erhalten."

Einzigartiges Hörerlebnis

Das Stadtarchiv empfiehlt, die plattdeutschen Texte parallel zur Hochdeutsch-Version zu lesen und die zugehörigen Audioaufnahmen anzuhören, um den besonderen Charakter der Sprache zu erfassen. Der lebendige Erzählstil des Sprechers fängt den Charme und die Vielfalt der Sprache ein, die sich nicht vollständig in Übersetzungen übertragen lässt.

Praktische Hinweise für Interessierte

  • Alle 26 Text- und Audio-Dateien sind ab sofort im Stadtarchiv Geseke zugänglich.
  • Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags von 08:30 bis 12:00 Uhr sowie 14:00 bis 16:00 Uhr.
  • Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.
  • Das Projekt unterstreicht, wie wichtig die Dokumentation regionaler Sprachkultur für kommende Generationen ist. Besucher können sich auf eine Reise in die Vergangenheit und in die Vielfalt sprachlicher Ausdrücke der Region freuen.

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