190 Jahre Tradition: Realschule in Minden verabschiedet Schulleitung und Abschlussjahrgänge
Zum Auslaufen der Schule werden Gisela Bednar verabschiedet und die Zeugnisse der 10. Klassen in der Mensa übergeben.

Mit einer Feier in der Mensa haben sich geladene Gäste, Schulleitung, Lehrerkollegium, Eltern und Schüler*innen von der Käthe-Kollwitz-Realschule in Minden verabschiedet. Im Mittelpunkt standen dabei drei Anlässe: der Rückblick auf die 190-jährige Geschichte der Schule, die Verabschiedung der kommissarischen Schulleiterin Gisela Bednar sowie die Ausgabe der Abschlusszeugnisse an die Schüler*innen der 10. Klassen, die letzten drei Klassen der „Käthe“.
Am 31. Juli wird die Realschule aus dem Schulverzeichnis gelöscht. Bereits 2020 hatte der Rat beschlossen, die Schule mit Beginn des Schuljahres 2021/22 auslaufen zu lassen. Gleichzeitig wurde die Einrichtung der Sekundarschule Am Wiehen auf den Weg gebracht.
Rückblick auf 190 Jahre Schulgeschichte
Bürgermeister Peter Kock erinnerte bei der Feier an die lange Geschichte der Schule. Ihren Ursprung hatte die heutige „Käthe“ im Jahr 1836 in der oberen Altstadt als Bürgerschule. Seit 1967 trägt sie den Namen der sozialkritischen Künstlerin Käthe Kollwitz.
Für die Veranstaltung hatten die Schüler*innen den Leitspruch „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“ von Johann Wolfgang von Goethe ausgewählt. In der Mensa kamen dafür mehr als 200 Gäste zusammen, darunter etwa 160 Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte.
Kock würdigte die Schule als Teil der Stadtgeschichte. Über Generationen hinweg hätten dort junge Menschen gelernt, Freundschaften geschlossen, ihre Talente entdeckt und wichtige Weichen für ihr Leben gestellt. Zugleich hob er hervor, dass die Schule individuelle Förderung, soziales Miteinander, Medienkompetenz und Motivation stets großgeschrieben habe.
Nach den Worten des Bürgermeisters stehen 190 Jahre nicht nur für eine lange Tradition, sondern auch für Beständigkeit, einen sich wandelnden Bildungsauftrag und das Engagement vieler Beteiligter. Lehrkräfte, Mitarbeitende, Eltern und Förderer hätten die Schule über Jahrzehnte geprägt. Die Käthe-Kollwitz-Realschule sei stets auch ein Ort der Gemeinschaft und des Miteinanders gewesen.
Auszeichnungen und Gründe für das Auslaufen
Die Schule erhielt 2020 die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und war regelmäßig an Community-Dance-Projekten beteiligt.
Als Gründe für das Auslaufen der Realschule werden der demografische Wandel mit sinkenden Schülerzahlen sowie neue attraktive Lernformen an anderen Schulen genannt. Hinzu kam, dass dort familienfreundliche ganztägige Angebote vorhanden waren, während die „Käthe“ eine reine Halbtagsschule war.
Mehrere Umzüge in den vergangenen Jahrzehnten
In den vergangenen fünf Jahrzehnten mussten Lehrkräfte und Schüler*innen drei Mal umziehen. Zunächst zog die Schule in das damalige neue Beton-Gebäude in Häverstädt, das 2020 abgerissen wurde. Wegen größerer Schäden und Schadstoffbelastungen im verbauten Material wurde die Schule anschließend interimsweise in Rodenbeck untergebracht, in den Räumlichkeiten der ehemaligen Hauptschule Minden-Süd am Piwittskamp. Dieser Umzug erfolgte zum Schuljahr 2014/15.
Seit Sommer 2023 teilen sich die Käthe-Kollwitz-Realschule und die Sekundarschule Am Wiehen ein modernes neues Schulgebäude auf dem Campus in Häverstädt. Der Neubau wird wegen steigender Schülerzahlen in der Sekundarstufe I aktuell erweitert. Damit sollen zusätzliche Raumkapazitäten geschaffen und die schulische Infrastruktur in Minden bedarfsgerecht weiterentwickelt werden.
Dank an Schulgemeinschaft und Schulleitung
Besonderen Dank sprach Bürgermeister Kock allen aus, die die Schule über Jahrzehnte geprägt und getragen haben. Auch die scheidende Konrektorin Gisela Bednar wurde gewürdigt. Sie war 2020 an die Schule gekommen, in einem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr. Damals besuchten rund 450 Schülerinnen und Schüler die „Käthe“.
Kock lobte Bednar für ihr großes Engagement und Verantwortungsbewusstsein. Eine Schule auf ihrem letzten Abschnitt zu begleiten, habe nicht nur Führungsstärke und organisatorisches Geschick verlangt, sondern auch menschliche Stärke, Einfühlungsvermögen und Zuversicht.
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