Minden gedenkt der Auschwitz-Befreiung
250 Menschen erinnern mit Rosen und Steinen an die Opfer des Nationalsozialismus und setzen ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung

Rund 250 Bürgerinnen und Bürger, darunter zahlreiche Schüler*innen, kamen am 27. Januar 2026 in Minden zusammen, um an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 82 Jahren zu erinnern. Die Veranstaltung in der vollbesetzten Petri-Kirche und das anschließende gemeinsame Gedenken am Mahnmal vor dem Stadttheater standen ganz im Zeichen der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.
Gedenken mit Symbolkraft: Steine und weiße Rosen
Mit Steinen und weißen Rosen gedachten die Anwesenden der Opfer des Holocaust. „Die Toten verpflichten die Lebenden“ war das Leitthema der Gedenkveranstaltung in der Petri-Kirche. Über sechs Millionen Menschen – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie politische Gegner – wurden zwischen 1933 und 1945 durch das nationalsozialistische Terrorregime ermordet.
Ein Tag des Gedenkens und der Mahnung
Seit 1996 ist der 27. Januar offizieller in Deutschland. Die Reden am Mahnmal machten deutlich, wie wichtig das Erinnern bleibt: Nina Pape, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V. (GCJZ), unterstrich: „Der Holocaust ist kein abstraktes Verbrechen der Geschichte – er war das Ergebnis von Antisemitismus, Entmenschlichung und Gleichgültigkeit.“ Sie forderte, Gedenken nicht als bloßes Ritual, sondern als Auftrag für Gegenwart und Zukunft zu verstehen.
Ein zentrales Motiv ihrer Ansprache: „Die Opfer der Shoa mahnen uns: Gleichgültigkeit, Schweigen und Wegsehen sind gefährlich.“ Dem schloss sich Bürgermeister Peter Kock an, der die Notwendigkeit betonte, das Ritual des Erinnerns als gemeinschaftlichen Akt gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung zu verstehen. Kock zitierte die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer: „Lasst uns diese Zeitzeugen sein, die Vergangenheit wachsam in unserer Zeit bewahren.“
Engagement der Mindener Schulen
Das Gedenken wurde durch die Mitwirkung verschiedener Mindener Schulen geprägt. Schüler*innen des Herder-Gymnasiums, der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, des Weser-Kollegs sowie der Waldorfschule Minden gestalteten ein bewegendes Programm mit musikalischen Beiträgen. Im Gedenkbuch der Bundesregierung wurde verstorbenen jüdischen Mindener*innen gedacht, und die Ereignisse der Reichspogromnacht in Petershagen fanden Erwähnung. Besonders eindrucksvoll waren die Lesung eines Briefs an den ermordeten Karl Bentlage und der Einblick in ein fiktives Tagebuch Herbert Lindemeyers. Auch die Schicksale von Julius, Günter und Hellmann wurden thematisiert. Den Abschluss bildete ein musikalischer Beitrag des Herder-Chors unter der Leitung von Nina Doormann.
Zusammenarbeit und Unterstützung
Die jährliche Gedenkveranstaltung wird von einer breiten Allianz getragen, darunter der Arbeitskreis Stolpersteine, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden e.V., der Evangelische Kirchenkreis, das Kommunalarchiv, der Mindener Geschichtsverein, der Verein „Für Demokratie und Vielfalt e.V.“ sowie die Stadt Minden.
Bedeutung für die Stadtgesellschaft
Bürgermeister Peter Kock dankte allen Mitwirkenden, insbesondere den engagierten Schüler*innen, für ihren Beitrag. Der jährliche Gedenktag ist der Stadt ein wichtiges Anliegen, um ein Zeichen für Vielfalt, Weltoffenheit und gegen jede Art von Rassismus und Antisemitismus zu setzen. Minden pflegt damit ein aktives Erinnern, das nicht nur die Vergangenheit, sondern auch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen im Blick behält.
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