Sanierung der Alten Regierung in Minden abgeschlossen
Historisches Gebäude mit Bundesförderung restauriert – Innenausbau und Neubau geplant

Die „Alte Regierung“ am Großen Domhof in Minden zeigt sich nach umfassender Sanierung im neuen Glanz. Im Mittelpunkt standen Dach, Zwiebelturm und die historische Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes, die zwischen November 2023 und Ende 2024 sorgfältig instand gesetzt wurden. Möglich war das Projekt durch eine Bundesförderung von 600.000 Euro, wodurch der Kostenrahmen entgegen ursprünglicher Schätzung um 335.000 Euro unterschritten werden konnte.
Meilenstein für den Denkmalschutz
Die Sanierung erfolgte am sogenannten Bauteil D des Rathauskomplexes, einem prachtvollen Bau aus Porta-Sandstein. Die Maßnahmen umfassten unter anderem die Erneuerung der gesamten Dachkonstruktion, die Dämmung der Innenräume und die fachgerechte Restaurierung der Fassade auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern. An etwa 350 Stellen wurden Fugenmaterial und Steine ersetzt, wobei besonderer Wert auf den Erhalt der historischen Substanz gelegt wurde.
Dank der planerischen Begleitung der „Planungsgemeinschaft Historische Bauten“ aus Salzgitter verlief die Sanierung in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden. Die Hauptarbeiten wurden bereits Ende 2024 abgeschlossen, im Frühjahr 2025 folgte der sukzessive Gerüstabbau sowie die Freigabe des Eingangsbereichs.
Kupferdach und Zwiebelturm: Restaurierung einer Rarität
Besonders anspruchsvoll gestaltete sich die Instandsetzung des seltenen Zwiebelturms. Der Kupferbelag wurde samt Schalung und Tragwerk erneuert; einzelne grünliche Stellen zeigen bereits die natürliche Alterung des Materials an. Laut Bereichsleiter Jörn Schunk ist ein Zwiebelturm dieser Größe in Ostwestfalen eine Seltenheit und stellte auch für das Handwerk eine besondere Herausforderung dar.
Im Rahmen der Arbeiten mussten ganze Sandsteinblöcke – bis zu 110 Zentimeter dick – ausgetauscht werden. Da der ursprüngliche Steinbruch nicht mehr existiert, wurde nach einem passenden Ersatzstein gesucht, der nun aus dem Emsland stammt. Auffällige Farbunterschiede am Sockel lassen sich so auf die Herkunft der Steine zurückführen.
Spuren der Geschichte bleiben erhalten
Die Geschichte des Gebäudes bleibt sichtbar: Kleine Einschlaglöcher an der Südseite der Fassade gehen auf Bombenangriffe im März 1945 zurück. Nach sorgfältiger Abwägung entschied die Gebäudewirtschaft gemeinsam mit dem Denkmalschutz, diese als Zeitzeugnis unangetastet zu lassen.
Auch die große Uhr mit Zeigern aus Messing an der Ostfassade erstrahlt seit der Sanierung wieder in neuem Glanz.
Bundesförderung – Anerkennung für ein Vorzeigeprojekt
Gefördert wurde die denkmalgerechte Sanierung vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung im Rahmen der „Nationalen Projekte des Städtebaus“. Ein Metallschild am Haupteingang kennzeichnet das Gebäude nun als „Premiumprojekt“ des Bundesinnenministeriums.
Die Förderzusage erfolgte nach mehrjährigem Vorlauf, bedingt durch umfangreiche Prüfungs- und Ausschreibungsverfahren. Stadtkämmerer Norbert Kresse wertet die Unterstützung als besondere Auszeichnung für die Stadt Minden.
Weitere Entwicklung am Großen Domhof
Mit Fertigstellung der Außenhülle ist der dritte Bauabschnitt der Rathaussanierung in Vorbereitung. Dieser umfasst neben der „Alten Regierung“ auch das Stadthaus und die ehemalige Deutsche Bank am Großen Domhof. Innenausbau und Fensteraufarbeitung stehen noch aus; wann diese Maßnahmen starten, hängt von weiteren politischen Entscheidungen ab.
Parallel plant die Stadt, die Sparkassen-Geschäftsstelle am Kleinen Domhof zu kaufen und durch einen modernen Neubau mit 120 Arbeitsplätzen zu ersetzen. Eine gleichzeitige Umsetzung beider Projekte wäre jedoch nicht möglich, so Kresse, und müsse priorisiert werden.
Historische Einordnung
Das Gebäude „Alte Regierung“ wurde 1846–48 errichtet und diente zunächst als Sitz der Bezirksregierung, später auch als Standort der Stadtsparkasse und heute Teilen der Stadtverwaltung. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg und dem folgenden Wiederaufbau prägt der Komplex bis heute das Stadtbild am Großen Domhof.
Die „Alte Regierung“ ist Teil eines sechs Gebäude umfassenden, denkmalgeschützten Rathausensembles und nimmt eine zentrale Rolle bei der Bewahrung der stadtbildprägenden Bausubstanz ein.
Zukunftsperspektiven und Bürgerbeteiligung
Von der modernen Sanierung profitieren künftig sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Mitarbeitende, die sich auf zeitgemäß gestaltete Büros und eine effiziente Raumaufteilung freuen können. Die verantwortliche Gebäudewirtschaft sieht im Erhalt der denkmalgeschützten Substanz einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der Mindener Stadtgeschichte.
Weitere Informationen sind bei der Stadt Minden erhältlich.
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