30 Jahre Wohnungsnotfallhilfe in Rheine
Jubiläums-Fachtagung zeigt: Kooperation und Prävention sind Schlüssel zur Unterstützung wohnungsloser Menschen

Zum 30-jährigen Bestehen des Treff 100 hat die Anlauf-, Kontakt- und Beratungsstelle im November 2025 zu einer Fachtagung eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wirksame Wohnungsnotfallhilfe durch Kooperationen und Netzwerke gelingen kann. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und freien Trägern kamen in Rheine zusammen, um gemeinsam über aktuelle Herausforderungen und zukunftsorientierte Perspektiven der Unterstützung für wohnungslose Menschen zu beraten.
Podiumsdiskussion: Erfahrungsberichte und Impulse
Als Höhepunkt der Veranstaltung moderierte Florentine Kühs-Sandmann eine Podiumsdiskussion, die eindrucksvolle Einblicke in das bestehende Hilfenetzwerk der Stadt gab. Besonders bewegend war der offen geschilderte Lebensweg von Achim Schwegmann, einem ehemaligen Klienten des Treff 100. Er berichtete:
„Wegen meiner langjährigen Spielsucht war ich überschuldet, verlor meinen Arbeitsplatz, dann meine Wohnung.“
Nachdem auch Angehörige und Freunde an Belastungsgrenzen stießen, fand Schwegmann schließlich Zugang zu Treff 100. Dort konnte er zunächst auftanken, Doppelkopf spielen und Kontakte zu anderen Menschen knüpfen, ohne direkt mit Maßnahmen konfrontiert zu werden. Diese behutsame Herangehensweise war für ihn entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und sich eigenen Problemen zuzuwenden. Heute blickt Schwegmann auf eine stabile Lebenssituation zurück – mit fester Anstellung und gemeinsamer Wohnung mit seiner Partnerin. Bewegend beschrieb er den Moment, als er die Sozialarbeitenden des Treff 100 in sein eigenes Zuhause einladen konnte: „Als ich die beiden Sozialarbeitenden des Treff 100 in mein eigenes Haus auf Kaffee und Kuchen einladen konnte.“
Fachliche Positionen und Perspektiven
Jonas Fakhrzad, Sozialarbeiter beim Treff 100, bestätigte die zurückhaltende und klientenzentrierte Arbeitsweise. Gemeinsam mit Eksabet Pehlivan will Fakhrzad Vertrauen aufbauen und Hilfe im passenden Moment anbieten. Er erläuterte:
„Wir sehen neue Klienten sehr wohl, lassen sie aber erst einmal ankommen. Wir versuchen, ihnen im passenden Moment unsere Hilfsangebote zu machen.“
Fakhrzad entschied sich schon während seines Studiums bewusst für die Arbeit in der Wohnungslosenhilfe. Die Beratung von gleichaltrigen Klienten sei zwar herausfordernd, ermögliche aber auch besondere Nähe und Verständnis.
Stadt Rheine: Prävention und Netzwerk als Schlüssel
Raimund Gausmann, Beigeordneter der Stadt Rheine, bezeichnete den Treff 100 als ersten Ankerpunkt lokaler Wohnungsnotfallhilfe. Die Stadt setze verstärkt auf Prävention: Mit der im Jahr 2022 eingerichteten Fachstelle für Wohnraumsicherung soll Wohnungsverlust frühzeitig verhindert werden – insbesondere durch Vermittlung zwischen Mietenden und Vermietenden.
Ein weiteres Erfolgsrezept sei die enge Kooperation der Akteure. So bietet das Netzwerk „Wohin? – Hause“ gezielte und passgenaue Unterstützung für Menschen in Wohnungsnot.
Vernetzung und innovative Ansätze
Jutta Henke, Geschäftsführerin der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e.V. (GISS) aus Bremen, hob die Bedeutung von Vernetzung, Prävention und aufsuchender Arbeit hervor. Die GISS war maßgeblich an der Konzeption der Fachstelle beteiligt. Henke ermutigte dazu, die Zusammenarbeit mit Eingliederungshilfe und Sozialpsychiatrie weiter auszubauen und den Zugang zu Wohnraum zu erleichtern. Häufig stelle eine negative Schufa-Auskunft ein großes Hindernis dar – hier hätten soziale Wohnraumagenturen bewährte Instrumente etabliert.
Ihre Wunsch-Schlagzeile für Rheine in fünf Jahren formulierte Henke klar:
„Überwindung der Wohnungslosigkeit in Rheine in greifbarer Nähe.“
Austausch, Resonanz und Ausblick
Nach der Podiumsdiskussion nutzten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zum intensiven Austausch. Das 30-jährige Jubiläum des Treff 100 wurde so nicht nur zum Anlass der Rückschau, sondern auch zu einem Impuls für neue Kooperationen und nachhaltige Entwicklungen im Kampf gegen Wohnungslosigkeit in Rheine.
Abschließende Eindrücke
Die Veranstaltung machte deutlich: Ein starkes Netzwerk, die Bereitschaft zur Prävention und die konsequente Zusammenarbeit aller Beteiligten sind entscheidend, um Menschen auf ihrem Weg aus der Wohnungslosigkeit zu unterstützen und neue Perspektiven zu eröffnen.
Eigene Anzeige
Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen
Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.