Feuchtigkeitsschaden im Archiv: 3.500 Bücher gerettet

In Monheim am Rhein werden rare Bestände nach dem Schaden gesichtet und getrocknet – eine Wiederöffnung steht noch nicht fest.

Feuchtigkeitsschaden im Archiv: 3.500 Bücher gerettet
Bild zum Beitrag© Redaktionsteam Monheim am Rhein

In Monheim am Rhein läuft derzeit eine aufwendige Rettungsaktion für die Archivbibliothek. Nach einem Feuchtigkeitsschaden hat sich das Ausmaß der Beschädigungen als größer erwiesen als zunächst angenommen. Rund 3500 feuchte Bücher werden auf der Feuer- und Rettungswache gesichtet, dokumentiert und zum Trocknen vorbereitet.

Archiv nach Feuchtigkeitsschaden geräumt

Betroffen ist die Archivbibliothek des Stadtarchivs, die mit Unterstützung der Monheimer Feuerwehr sowie Fachkräften aus den Stadtarchiven Leichlingen und Leverkusen ausgeräumt und an die Wache gebracht wurde. Der Schaden wurde festgestellt, nachdem an der Westfassade des Rathaus-Altbaus Schimmel entdeckt worden war. Seit dem 10. April ist das Archiv deshalb für Besucherinnen und Besucher nicht mehr zugänglich.

Zusätzlich wurde auch an der Nordfassade an der Alten Schulstraße Feuchtigkeit festgestellt. Als Ursache gilt vermutlich eine schadhafte Abdichtung des Gebäudes im Erdbereich. Die notwendigen Sanierungsarbeiten sollen in Kürze beginnen. Wann das Stadtarchiv wieder öffnen kann, ist noch unklar.

Rettung unter besonderen Bedingungen

Die Feuerwehr unterstützte nicht nur beim Transport der Archivbibliothek mit einem Lastwagen, sondern stellte für die Sichtung der Bücher auch eine ganze Wagenhalle zur Verfügung. Archivleiterin Sonja Felten betonte, dass Kulturgutschutz eine freiwillige Leistung sei und dankte für die großzügige Unterstützung beim Ausräumen vor Ort.

Der Rettungseinsatz läuft unter besonderen Schutzvorkehrungen. Sonja Felten und Archivmitarbeiter Tobias Marx sichten jedes einzelne Buch in Schutzanzügen und Schutzmasken, vermerken es auf einer Schadensliste und fächern feuchte Werke zur Trocknung auf. Bei besonders schweren Schäden entscheiden Fachleute, was restauriert werden kann und was entsorgt werden muss.

Unterstützung aus dem Notfallverbund

Zusätzliche Hilfe kommt von Archivaren und einem Fachbibliothekar aus dem 2013 gegründeten Notfallverbund Niederwupper. Zu diesem Verbund gehören Stadtarchive aus Leichlingen, Leverkusen und Langenfeld. Der erste gemeinsame Einsatz war nach dem Starkregen im Juli 2021 in Leichlingen. Nun unterstützen sie das Monheimer Team an der Feuer- und Rettungswache.

Felten lobte den Einsatz der Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich. Dass sie ihre eigene Arbeit liegen lassen, um mit anzupacken, sei „ganz große Klasse“. Nach den bisherigen Tagen sei man sehr froh über die Hilfe und hätte ohne diese Unterstützung sicher nicht so viel retten können.

Besonders betroffene Bestände

Unter den beschädigten Beständen befindet sich auch der Adressbuchbestand, der bis in die 1920er-Jahre zurückreicht. Diese Bücher sind selten, antiquarisch kaum verfügbar und für viele Familienforscherinnen und Familienforscher eine wichtige Quelle. Felten machte deutlich, dass diese Bücher Stadtgeschichte dokumentieren und Auskünfte über Wohnorte, Berufe und Firmen geben. Der Verlust dieser Quellen wäre nach ihren Worten dramatisch.

Auch identitätsstiftende Werke müssen restauriert werden, darunter ein vom gesamten Panikorchester signiertes Buch. Nach ersten Schätzungen beläuft sich allein die Restaurierung auf rund 40.000 Euro. Noch nicht berechnet sind die Auffüllung von Materialien aus den Notfallboxen des Verbunds sowie der Verlust der Bücher, die entsorgt werden mussten.

Weitere Bestände nicht betroffen

Sammlungen aus privater Hand und von Vereinen befinden sich in einem anderen Magazinraum und sind nicht betroffen. Für diese Bestände besteht nach Angaben des Archivs derzeit keine Gefährdung durch den Feuchtigkeitsschaden.

Erreichbarkeit des Stadtarchivs

Das Stadtarchiv bleibt trotz der aktuellen Lage telefonisch und per E-Mail erreichbar. Bürgerinnen und Bürger müssen allerdings mit längeren Wartezeiten rechnen.

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