Junge Handwerksgesellen auf Wanderschaft in Monheim
Sieben Wandersleute erleben jahrhundertealte Tradition und tauschen sich mit Bürgermeisterin Sonja Wienecke aus

Eine Gruppe junger Handwerksgesellinnen und Handwerksgesellen hat im Monheimer Rathaus Station gemacht und wurde von Bürgermeisterin Sonja Wienecke empfangen. Ihr Besuch bot nicht nur einen Einblick in eine jahrhundertealte Tradition, sondern auch in die Lebensweise dieser besonderen Gemeinschaft auf Wanderschaft.
Jahrhundertealte Handwerkstradition zu Gast in Monheim
Die sieben Wandersleute – Joe, Lars, Steffen, Fanny, Jondy, Paul und Jonatan – reisten aus verschiedenen Regionen unter anderem aus Ulm, Schleswig-Holstein, Niederbayern und der Schweiz nach Monheim am Rhein. Sie folgten einer Tradition, die tief im europäischen Handwerk verwurzelt ist: Junge Menschen gehen nach Abschluss ihrer Ausbildung für mehrere Jahre auf Wanderschaft, um Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.
Trotz der veränderten wirtschaftlichen Bedingungen ist dieser Lebensabschnitt auch heute für viele junge Handwerkerinnen und Handwerker attraktiv. Während ihrer Reise suchen sie oft das Gespräch mit lokalen Handwerksbetrieben und Rathäusern. Nicht selten verweilen sie wochen- oder monatelang in einer Stadt, arbeiten vor Ort und setzen anschließend ihre Route fort.
Eindeutige Regeln und individuelle Namen
Die Wanderschaft ist von strengen Regeln geprägt: Für Fahrten und Übernachtungen darf kein Geld ausgegeben werden und gereist wird ausschließlich in traditioneller Kluft, die sich durch Cord-Jacken, goldene Knöpfe und spezielle Hüte auszeichnet. Sogar ein modernes Utensil wie das Smartphone gehört zur Ausrüstung.
Eine weitere Besonderheit: Während der Wanderschaft verzichten die jungen Leute auf ihren Nachnamen und nehmen einen neuen Namen an. So ist zum Beispiel Jondy bereits seit drei Jahren und zehn Monaten auf Reisen, ohne seinen Heimatort zu betreten – ein Umkreis von 50 Kilometern rund um die alte Heimat bleibt tabu.
Zusammenhalt und Stationen der Reise
Der Anlass für den Halt in Monheim am Rhein: Die Gruppe reiste, um den neuen Freiheitsbruder Steffen aus Düsseldorf abzuholen und ihn beim Start in seine eigene Wanderzeit zu begleiten. Danach trennen sich die Wege wieder – jeder und jede setzt die Reise individuell fort.
Auf ihren Etappen kommen Wandersleute oft mit der Stadtgesellschaft ins Gespräch, lernen lokale Bräuche kennen und arbeiten in unterschiedlichen Betrieben mit. In Monheim zeigten sie besonderes Interesse an der lokalen Traditionsfigur „Gänseliesel“, deren Bedeutung ihnen von Sonja Wienecke nähergebracht wurde.
Leben auf der Straße – zwischen Tradition und Moderne
Die Übernachtung unter freiem Himmel gehört im Sommer zur Routine, während sie in der kalten Jahreszeit auf die Gastfreundschaft der Menschen angewiesen sind. Dann klopfen sie an Haustüren und bitten um Unterkunft – ein Vorgehen, das sich durchaus mit modernen „Work and Travel“-Konzepten vergleichen lässt, aber auf klaren Regeln und jahrhundertealten Werten basiert.
Symbolträchtig ist der Wanderstock, die sogenannte „Stenz“, die jede und jeder auf der Reise mit sich trägt.
Besuch im Rathaus und herzlicher Abschied
Nach einer gemeinsamen Führung durch den Ratssaal und einem Rundgang durch die Stadt verabschiedeten sich die Wandersleute mit einem traditionellen Glücksspruch. Bürgermeisterin Sonja Wienecke nahm diesen Gruß stellvertretend für die Stadtgemeinschaft entgegen und wünschte den sieben Gästen viel Glück und Erfolg auf ihrem weiteren Weg.
Die Begegnung im Rathaus zeigte einmal mehr, wie lebendig alte Traditionen noch heute sein können – und wie sie Städte wie Monheim bereichern.
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