Monheim ehrt literarische Talente
Ulla-Hahn-Preis und Kinder- sowie Jugendliteraturpreise für Werke mit gesellschaftlichem Tiefgang vergeben

Die Stadt Monheim am Rhein hat den diesjährigen Ulla-Hahn-Literaturpreis sowie den Jugend- und Kinderliteraturpreis vergeben. Im Zentrum stehen die Werke „Die schönste Version“ von Ruth-Maria Thomas, „Über den Dächern von Jerusalem“ von Anja Reumschüssel und „Das Schloss der Smartphone-Waisen“ von Salah Naoura und Kai Schüttler. Die feierliche Preisverleihung ist für den 13. September im Sojus 7 angekündigt.
Auszeichnung für drei außergewöhnliche Bücher
Die Auswahl der Preisträger erfolgte durch unterschiedliche Jurys: Für den Ulla-Hahn-Literaturpreis entschied eine Fachjury, für den Jugendpreis wurde in enger Kooperation mit dem Rheinischen Lesefestival Käpt’n Book von Monheimer und Bonner Jugendlichen gewählt. Erstmalig beurteilte eine Kinderjury aus Monheim die Werke für den Kinderliteraturpreis.
Der Ulla-Hahn-Literaturpreis: Gesellschaftliche Themen literarisch verarbeitet
„Die schönste Version“ von Ruth-Maria Thomas wurde von der Jury als außergewöhnliches Debüt gewürdigt. Das Buch besticht durch seine klare Sprache und behandelt komplexe Themen wie Selbstverständnis, Gewalterfahrung und Traumata. Die Autorin, selbst ausgebildete Sozialarbeiterin, setzt sich präzise mit Opfer- und Täterperspektiven auseinander und geht weit über das vordergründige Thema toxischer Beziehungen hinaus. Durch ihre Berufserfahrung schafft Ruth-Maria Thomas eine Introspektion über Körperlichkeit und das Frauwerden, was laut Jury besonders gelungen ist.
Entscheidend für die Auswahl war die Qualität der Erzählweise, die zugleich anspruchsvoll und zugänglich ist. Mit diesem Roman setzt die Stadt Monheim am Rhein die Zielsetzung des Ulla-Hahn-Preises fort, ein Debüt zu prämieren, das einen besonderen Bezug zu Herkunft und Leben aufweist.
Jugendliteraturpreis: Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Anja Reumschüssel erhält den Jugendliteraturpreis für ihr Debüt „Über den Dächern von Jerusalem“. Die Autorin verbindet Schicksale aus den 1940er Jahren mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Die Geschichte der Jugendlichen Tessa, Mo und Anat schlägt einen Bogen von der Gründung des modernen Israel bis zum Nahost-Konflikt unserer Tage.
Die Jugendjury zeigte sich beeindruckt von der emotionalen Tiefe und dem literarischen Stil des Romans. Besonderes Lob erhielt das Buch für seine mitreißende Erzählweise, die Jugendliche unmittelbar erreicht. Als wichtige Botschaft hoben die Jugendlichen hervor, dass Freundschaft auch in schwierigen Zeiten möglich bleibt – ein Thema, das durch die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten zusätzlich an Bedeutung gewonnen hat.
Die Auswahl fiel nach intensiven Diskussionen und einem fairen Meinungsaustausch, wie die 14-jährige Jurorin Marie berichtet.
Kinderliteraturpreis: Abenteuerliche Geschichten aus der Gegenwart
Erstmals wurde in Monheim der Kinderliteraturpreis vergeben. Die jüngste Jury – sieben Kinder im Alter von 8 bis 11 Jahren – stimmte nach intensiver Lektüre und engagierten Debatten für „Das Schloss der Smartphone-Waisen“ von Salah Naoura und Kai Schüttler.
Der Roman erzählt von fünf Kindern, die ihr Zuhause verlieren und gemeinsam nach einer neuen Bleibe suchen. Die kindlichen Hauptfiguren stehen mit ihren kreativen Plänen im Mittelpunkt. Die Jury-Mitglieder lobten vor allem die Identifikationsmöglichkeit mit den Protagonisten und den unterhaltsamen, humorvollen Erzählstil. Auch die Reflexion über das Thema Smartphones im Kinderalltag stieß auf Zustimmung.
Würdigung und gesellschaftliche Relevanz
Die Literaturpreise der Stadt Monheim am Rhein verdeutlichen, wie vielfältig aktuelle gesellschaftliche Themen in Literatur für Kinder, Jugendliche und Erwachsene verarbeitet werden. Das Auswahlverfahren, das Expertinnen, Experten und junge Leserinnen und Leser einbezieht, trägt zu einem breit abgestützten Entscheidungsergebnis bei.
Die Preisgelder – 15.000 Euro für den Ulla-Hahn-Literaturpreis, jeweils 10.000 Euro für die weiteren Auszeichnungen – unterstreichen die Wertschätzung und die Förderung des literarischen Schaffens im deutschsprachigen Raum.
Die Veranstaltung am 13. September im Sojus 7 verspricht, literarische Talente und gesellschaftliches Engagement gleichermaßen ins Rampenlicht zu stellen.
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