Nicolas Boheimer symbolisch eingebürgert im Rathaus
Empfang mit Bürgermeister Dirk Leistner und Sozialdezernentin Ann Kathrin Frede
Im Rathaus ist am Freitag, den 21. August, Nicolas Boheimer symbolisch eingebürgert worden. An dem Empfang nahmen Bürgermeister Dirk Leistner, Sozialdezernentin Ann Kathrin Frede und die stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs, Ana Muro, teil. Die Stadt würdigte damit einen Schritt, der für die Beteiligten nach Angaben der Mitteilung von besonderer Bedeutung war.
Das Original der Einbürgerungsurkunde liegt demnach noch in der deutschen Botschaft in Wellington in Neuseeland. Auch den deutschen Pass muss Boheimer dort abholen. Der 69-Jährige ist Neuseeländer und Nachfahre der Wittener jüdisch-christlichen Familie Böheimer, deren Name im englischsprachigen Raum zu Boheimer wurde.
Familiengeschichte reicht bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten zurück
Boheimers Großeltern, der Arzt und Demokrat Dr. Julius Böheimer und seine Frau Charlotte, lebten mit ihren beiden Söhnen Manfred und Klaus, dem späteren Vater von Nicolas Boheimer, in der Nordstraße 16. Die Familie musste nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 vor den Angriffen der Nationalsozialisten flüchten.
Klaus wurde im August 1939 als 13-Jähriger mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht. Dort studierte er später Medizin, heiratete und bekam im Dezember 1956 seinen Sohn Nicolas. Vor über 20 Jahren wanderte Nicolas Boheimer nach Neuseeland aus. Er besitzt heute die britische und die neuseeländische Staatsbürgerschaft.
Persönliche Begegnung im Rathaus
Bei dem Empfang erhielt Nicolas Boheimer ein Buch über das Wittener Rathaus, Pralinen sowie ein Erinnerungsbuch mit historischen Zeitungsartikeln über die Geschichte der Familie Böheimer/Boheimer mit Fotografien und Bezügen zu Witten. Bürgermeister Dirk Leistner versah das Erinnerungsbuch mit einer persönlichen Widmung.
Begleitet wurde Boheimer von Kerstin Glathe, die gemeinsam mit ihrem Mann Hendrik Glathe seit vielen Jahren mit der Geschichte der Familie und dem Erinnerungsort an der Nordstraße verbunden ist.
Boheimer reagierte den Angaben zufolge sehr bewegt auf die Begegnung. Er sagte: „I’m overwhelmed“, auf Deutsch: „ich bin überwältigt“. Er bedankte sich für den herzlichen Empfang und die Unterstützung in Witten. Nach seinen Worten seien die Menschen in Witten sehr freundlich, und die Stadt habe inzwischen eine wichtige Bedeutung für ihn.
Bürgermeister Leistner und Sozialdezernentin Frede zeigten sich ebenfalls bewegt von der Familiengeschichte und der persönlichen Verbindung zwischen Nicolas Boheimer und Witten.
Besuch auf dem Rathausturm
Boheimer sprach bei dem Treffen auch über persönliche Erinnerungen an Witten. Dazu gehört seine Begeisterung für Musik; mit seiner Gitarre habe er unter anderem schon in der Bahnhofstraße musiziert. Heute verbinde er mit der Stadt vor allem die Geschichte seiner Familie, aber auch ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit.
Auf einen spontanen Vorschlag des Bürgermeisters ging Boheimer ebenfalls ein. Gemeinsam besichtigten sie den Rathausturm und blickten von dort weit über Witten. Dabei führten Leistner und Boheimer weitere persönliche Gespräche.
Boheimer denkt inzwischen sogar darüber nach, nach Witten zu ziehen. Leistner machte deutlich, dass er dort herzlich willkommen sei, und lud ihn für diesen Fall bereits zu einer Einbürgerungsfeier ein.
Kontakt zur Stadt und Erinnerung an die Familie
Der Kontakt zu Witten besteht seit mehreren Jahren. Im Jahr 2014 brachten Kerstin und Hendrik Glathe, die heutigen Bewohner des Hauses an der Nordstraße 16, in Absprache mit dem Stadtarchiv im Gedenken an die Familie Böheimer die Gedenktafel „Erinnern für die Zukunft“ am Haus an. Daraufhin nahm Enkel Niclas den Kontakt zu den Initiatoren auf.
Vier Jahre später reiste er zum ersten Mal nach Witten und besuchte die Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome. Seitdem war er bereits öfter in Witten.
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