160 Durchsuchungsbeschlüsse bei Ermittlungen zu Millionenbetrug mit Mobiltelefonen

Ermittlungen in 19 Ländern: Verdacht auf gewerblichen und bandenmäßigen Einfuhrschmuggel sowie Mehrwertsteuerbetrug

Von Herold-Teamvor 3 Tagen

In einem internationalen Einsatz gegen einen mutmaßlichen Millionenbetrug mit Handys haben Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder in 19 Ländern seit den Morgenstunden rund 160 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Nach Angaben des Zollfahndungsamts Essen wurden zudem im Vereinigten Königreich eine Zeugin vernommen und bereits am 26.09.2026 sieben Haftbefehle in Österreich, Deutschland und Spanien vollstreckt. Unter den Festgenommenen befinden sich demnach auch die beiden mutmaßlichen Anführer der Organisation.

Das Zollfahndungsamt Essen koordiniert die Maßnahmen gemeinsam mit der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO), dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen (LBF NRW) und der Polizei Düsseldorf. Im Rahmen des Einsatzes wurden außerdem 15 Objekte durchsucht. Eine große Anzahl digitaler und analoger Beweismittel sowie Vermögenswerte wurde sowohl am Samstag als auch am heutigen Tag beschlagnahmt und gesichert.

Verdacht auf bandenmäßigen Handel mit als Neuware verkauften Gebrauchtgeräten

Die Europäische Staatsanwaltschaft in Köln ermittelt gegen eine Organisation wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, des gewerblichen und bandenmäßigen Einfuhrschmuggels sowie von Mehrwertsteuerbetrug, bandenmäßigem Betrug und Verstößen gegen das Markenrecht. Nach den bisherigen Erkenntnissen soll die Gruppe über eine Million Mobiltelefone führender Hersteller als Neuware verkauft haben, obwohl es sich tatsächlich um gebrauchte Geräte gehandelt habe.

Nach den Ermittlungen mit dem Codenamen „Troja“ sollen die Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengebaut, anschließend gereinigt und als neue Geräte verpackt in die Niederlande verschickt worden sein. Von dort seien sie zu Lagern in Deutschland transportiert und über Online-Marktplätze an Endkunden in der gesamten EU verkauft worden.

Den Angaben zufolge verursachte das Vorgehen für Verbraucher in der EU einen geschätzten Betrugsschaden von mindestens 300 Millionen Euro. In mehreren EU-Mitgliedstaaten soll zudem ein Mehrwertsteuerausfall von 30 Millionen Euro entstanden sein, allein in Deutschland mindestens 25 Millionen Euro.

Ermittlungen seit 2018 und Vorwurf missbräuchlicher Steuerregelung

Die Ermittlungen deuten außerdem darauf hin, dass Briefkastenfirmen mit Sitz in mehreren EU-Mitgliedstaaten, darunter Österreich, Bulgarien, Deutschland und die Niederlande, sowie in der Schweiz seit 2018 in betrügerischer Weise eine umsatzsteuerliche Sonderregelung für Wiederverkäufer auf den Online-Verkauf der Mobiltelefone angewandt haben sollen. Ziel sei gewesen, Wettbewerbsvorteile zu erlangen und die Gewinne unrechtmäßig zu steigern.

Nach den Ermittlungen wurden die Mobiltelefone im Rahmen der sogenannten Differenzbesteuerung an Endkunden und zwischen den Briefkastenfirmen verkauft. Die Voraussetzungen hierfür hätten jedoch tatsächlich nicht vorgelegen; sie seien durch systematische Verschleierung lediglich vorgetäuscht worden. Zutreffend hätte die Regelbesteuerung zur Anwendung kommen müssen.

Das System soll Kunden in der gesamten EU in die Irre geführt haben. Zudem habe es in jedem Land, in dem diese Mobiltelefone unter unrechtmäßiger Anwendung der Differenzbesteuerung verkauft wurden, einen erheblichen Mehrwertsteuerausfall verursacht.

Die Ermittlungen wurden aufgrund eines Berichts des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF) eingeleitet. Für alle betroffenen Personen gilt die Unschuldsvermutung, bis ihre Schuld vor den zuständigen Gerichten bewiesen ist.

Hinweis für Verbraucher

Wer den Verdacht hat, Opfer dieses Betrugs geworden zu sein, kann sich per E-Mail an [email protected] wenden. Telefonische Anfragen sind nicht möglich.

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