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Amtlicher Erntebericht: Rainer kündigt Liquiditätshilfen für Landwirtschaft und Fischereiwirtschaft an

Die Darstellung zeigt regionale Unterschiede und eine angespannte Lage mit niedrigerem Getreideergebnis sowie hohen Verlusten im Futterbau.

Von Herold Politik02.09.26, 13:05

Der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, hat am Mittwoch den amtlichen Erntebericht vorgestellt und zugleich Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität land- und forstwirtschaftlicher Betriebe sowie der Fischereiwirtschaft angekündigt. Nach Darstellung des Ministeriums zeigt der Bericht deutliche regionale Unterschiede, insgesamt aber eine angespannte Lage in mehreren Bereichen der Agrarwirtschaft.

Vor allem Trockenheit und Hitze haben in einigen Regionen Deutschlands deutliche Spuren hinterlassen. Die Erntemenge beim Getreide liegt in diesem Jahr mit rund 37,4 Millionen Tonnen um 7,3 Prozent unter dem guten Vorjahr. Bei Winterweizen wird ein Rückgang um 10,4 Prozent erwartet, beim Winterraps ein Minus von 11,5 Prozent gegenüber 2025. Für späte Kulturen wie Zuckerrüben, Körnermais, Kartoffeln und Hopfen sowie für Futterbau mit Grünland und Silomais ist die Ernte im September noch nicht abgeschlossen. Vorläufige Schätzungen lassen jedoch in vielen Regionen hohe Ertragsverluste erwarten. Besonders betroffen ist laut Ministerium der Mais im Süden und Südwesten, der vielerorts kaum gewachsen sei und teilweise nicht einmal Kolben ausgebildet habe.

Auch regional fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus. In Bayern liegt die Getreideernte mit minus 8,6 Prozent deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern, dem größten Rapsanbauland, werden die Hektarerträge vor allem wegen Insektenschäden voraussichtlich rund 25 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen.

Zusätzlich belastet die Betriebe die Lage beim Futter. Im Süden und Südwesten ist auf vielen Wiesen nach dem ersten Schnitt kaum Gras nachgewachsen. Viele Betriebe mussten deshalb bereits im Sommer an ihre Futterreserven gehen. Auf die Preise wirkt sich das ebenfalls aus: Heu hat sich nach Angaben des Ministeriums allein im August bundesweit um 17 Prozent verteuert.

Mehrere Belastungen zugleich

Das Ministerium verweist darauf, dass die Landwirtschaft nicht nur mit Witterungsfolgen, sondern zugleich mit weiteren Krisen und Kostensteigerungen konfrontiert ist. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Nahost-Krise hätten weltweit zu Verwerfungen geführt. Davon betroffen seien unter anderem Energie- und Düngemittelmärkte sowie Lieferketten. Die Produktionskosten stiegen dadurch, während vielerorts die Erzeugerpreise sänken, etwa beim Schweinefleisch. Nach Einschätzung des Ministeriums setzt diese Summe an Belastungen viele Betriebe massiv unter Druck.

Rainer sagte dazu: „Wer Tag für Tag unsere Ernährung sichert und für unsere Kulturlandschaft arbeitet, muss sich darauf verlassen können, dass wir ihn in einer solchen Lage nicht alleinlassen. Unser Erntebericht zeigt Licht und Schatten mit regional großen Unterschieden, aber die Erntezahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst die Lage auf vielen Höfen tatsächlich ist.“

Geplante Hilfen und Programme

Als Reaktion auf die Lage hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat einen Liquiditätsrahmen aufgesetzt und weitere Unterstützungsmaßnahmen angekündigt.

Liquiditätsprogramm 1

Das bestehende Liquiditätshilfeprogramm mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank wird um 300 Millionen Euro auf ein Darlehensvolumen von insgesamt 500 Millionen Euro aufgestockt. Die Darlehen sollen unbürokratisch und schnell zur Verfügung stehen, ohne Nachweis von Notlage und Verwendung.

Liquiditätsprogramm 2

Das Ministerium stimmt sich mit dem Bundesministerium der Finanzen über ein zweites Liquiditätsprogramm über die Landwirtschaftliche Rentenbank ab. Es soll schlank ausgestaltet sein, möglichst zeitnah starten und mit deutlich stärker gesenkten Zinsen sowie längeren Laufzeiten versehen werden.

Dünger- und Energie-Krisenpaket

Die EU-Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro sollen als Hektarprämien zielgenau an Betriebe fließen, bei denen die Kosten für Dünger oder Diesel stark gestiegen sind. Vorgesehen ist eine unbürokratische Umsetzung ohne kompliziertes Antragsverfahren.

Risikoausgleichsrücklage und Gewinnglättung

Das Ministerium setzt sich außerdem für die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage ein. Damit sollen Betriebe in guten Jahren steuerfrei Vorsorge für Krisenjahre treffen können. Zugleich strebt das Ministerium eine Verstetigung der Gewinnglättung über 2028 hinaus an, um stark schwankende landwirtschaftliche Einkommen auszugleichen.

Mehrgefahrenversicherung und Waldhilfen

Zur besseren Absicherung gegen Wetterrisiken will das Ministerium gemeinsam mit den Bundesländern eine Förderung von Mehrgefahrenversicherungen über die GAK ermöglichen. Für die Wälder setzt sich das Ministerium dafür ein, die vorhandenen Bundesmittel von bis zu 100 Millionen Euro vollständig zu mobilisieren, um in Waldumbau und Waldschutz zu investieren. Ziel ist es, den Umbau hin zu klimaresilienten Wäldern zu beschleunigen und zugleich Waldschutz und Prävention zu stärken.

Unterstützung für die Fischerei

Auch die Fischerei soll unterstützt werden. Wegen der stark gestiegenen Energiekosten stellt das Ministerium für Fischereibetriebe bis zu 4,5 Millionen Euro bereit. Von März bis Juli 2026 werden 21 Cent pro Liter Diesel erstattet. Zusätzlich ist eine sogenannte Referenzflotte geplant: Fischer können im Auftrag des Ministeriums Daten erheben und werden für diese Leistung vergütet. Dafür stehen in den kommenden drei Jahren bis zu drei Millionen Euro bereit.

Rainer betonte, es gehe darum, den Betrieben schnellstmöglich die notwendige Liquidität zu verschaffen, damit sie Betriebs- und Futtermittel beschaffen, handlungsfähig bleiben und die Ernte 2027 absichern können. Nach seiner Einschätzung dürfe aus der akuten Krise kein dauerhafter Strukturbruch werden.

Den gesamten Erntebericht 2026 stellt das Ministerium nach eigenen Angaben ebenfalls zur Verfügung.

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