Hürth nutzt techHAUS und AI Village zur KI-Analyse von Geruchsmeldungen

Anwendung kategorisiert Geruchsarten anhand von Meldungen und Wetterdaten – als Unterstützung für den Immissionsschutz, ohne fachliche Bewertung zu ersetzen

Von Hürths Redaktion
von links: Prof. Wolfgang Prinz (Fraunhofer FIT/techHaus), Bürgermeister Dirk Breuer, Dr. Alexander Opitz (Projektleiter AI Village).
von links: Prof. Wolfgang Prinz (Fraunhofer FIT/techHaus), Bürgermeister Dirk Breuer, Dr. Alexander Opitz (Projektleiter AI Village).Foto: Stadt Hürth/Giuseppe Piliero https://techhaus.de https://aivillage.de

Die Stadt Hürth setzt bei der Suche nach der Ursache wiederkehrender Geruchsbelästigungen auf neue technische Möglichkeiten. Gemeinsam mit dem techHAUS und dem AI Village wurde kurzfristig eine Anwendung entwickelt, die Geruchsmeldungen aus Hürth und Brühl mit lokalen Wetterdaten verknüpft. So sollen räumliche und zeitliche Muster sichtbar werden, die den zuständigen Immissionsschutzbehörden zusätzliche Hinweise auf mögliche Ursprungsrichtungen der Gerüche geben können.

Bürgermeister Dirk Breuer erklärte, man wolle alle Möglichkeiten nutzen, die bei der Suche nach der Ursache weiterhelfen könnten. Mit dem techHAUS und dem AI Village verfüge Hürth über besondere technologische Kompetenzen, die nun konkret für diese Herausforderung eingesetzt würden. Die neue Analyse sei ein zusätzliches Werkzeug, um die zuständigen Behörden bei der Eingrenzung der Emissionsquelle zu unterstützen.

Für eine erste Auswertung wurden 817 Geruchsmeldungen aus dem Zeitraum vom 3. Juli bis zum 19. August 2026 untersucht. Davon kamen 470 aus Hürth und 347 aus Brühl. Die Anwendung bündelt die Meldungen zeitlich und räumlich und verknüpft sie mit Angaben zur Windrichtung und Windgeschwindigkeit. Für Hürth greift sie auf lokale Messwerte der Feuer- und Rettungswache sowie des Chemieparks Knapsack zurück. Diese sollen die örtlichen Windverhältnisse genauer abbilden als die Daten der weiter entfernten Wetterstation am Flughafen Köln/Bonn.

Ergänzend wertet das AI Village die frei formulierten Geruchsbeschreibungen mithilfe künstlicher Intelligenz aus. Angaben zu etwa fauligen, chemischen oder teerigen Gerüchen werden bestehenden Kategorien zugeordnet und können dadurch systematisch verglichen werden.

Zeiträume mit besonders vielen Beschwerden werden als sogenannte Cluster dargestellt. Eine kartografische Visualisierung verbindet die Meldeorte mit Intensität und Art der wahrgenommenen Gerüche sowie den jeweils herrschenden Windverhältnissen. Für mehrere größere Beschwerdehäufungen Ende Juli und Anfang August zeigt die Analyse westliche beziehungsweise südwestliche Windrichtungen.

Prof. Dr. Wolfgang Prinz vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, der die Entwicklung im techHAUS federführend begleitet hat, sagte, aus vielen einzelnen Meldungen entstehe so ein besser interpretierbares Gesamtbild. Die Anwendung mache mögliche Zusammenhänge unmittelbar sichtbar und könne Fachleuten zusätzliche Anhaltspunkte für die weitere Ursachenforschung geben. Nach Angaben der Stadt wurde die Anwendung dort innerhalb kurzer Zeit mithilfe KI-gestützter Softwareentwicklung umgesetzt.

Die Analyse kann Hinweise liefern, ersetzt jedoch nicht die fachliche Bewertung und die abschließende Identifikation eines möglichen Verursachers. Die Stadt Hürth will die Ergebnisse nun den zuständigen Immissionsschutzbehörden zur Verfügung stellen und erwartet, dass jetzt unmittelbar gehandelt wird.

Seit Wochen kommt es in Hürth und angrenzenden Kommunen wiederholt zu Geruchsbelästigungen. Gemeinsam mit Brühl und Erftstadt hat die Stadt Hürth auf eine konsequente Ursachenforschung gedrängt. Die zuständigen Behörden haben ihre Ermittlungen inzwischen intensiviert und die Kontrollen auf Nachtzeiten und Wochenenden ausgeweitet. Eine eindeutige Ursache konnte bislang nicht festgestellt werden.

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