Lesung in Iserlohn beleuchtete Vinckes Tagebücher

Eine Lesung aus den Tagebüchern des früheren westfälischen Oberpräsidenten Ludwig Freiherr Vincke stand am 13. Oktober im Mittelpunkt der stadtgeschichtlichen Vortragsreihe des Stadtarchivs Iserlohn. Viele Interessierte kamen dazu in die Volkshochschule Iserlohn.
Der Schauspieler Markus von Hagen aus Münster trug ausgewählte Einträge vor. Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Leiterin des Landesarchivs NRW, Abteilung Westfalen, und Vorsitzende der Historischen Kommission für Westfalen, führte in Vinckes Biografie ein. Anschließend verband sie die Tagebuchauszüge in Form eines biografischen Interviews mit dem Freiherrn.
Vincke und seine Verbindungen zu Iserlohn
Vincke (1774–1844) hinterließ 24 handgeschriebene Tagebuchbände. Eine Edition seiner Aufzeichnungen erschien bis 2019 in elf Bänden. Die Lesung machte deutlich, dass Vincke als leitender Bürokrat viel in Westfalen unterwegs war, sich mit den Lebensbedingungen der Bevölkerung auseinandersetzte und Verbesserungen anstrebte.
Auch Iserlohn besuchte er wiederholt. In den Tagebüchern finden sich Begegnungen mit Kaufleuten, Unternehmern, Pfarrern und Bürgermeistern der Stadt. 1828 legte Vincke den Grundstein für die neue katholische Kirche. Außerdem beschäftigte er sich mit Straßenbauprojekten und den industriellen Entwicklungen in Iserlohn und der Umgebung.
Ein Eintrag thematisierte auch den Arbeiterprotest gegen die Firma J. H. Schmidt Söhne im November 1840. Vincke führte anschließend Gespräche in Iserlohn und verfasste für die Regierung in Berlin einen Bericht über das Armenwesen der Stadt. Zum Abschluss der Lesung stellte das Publikum Fragen; danach tauschten sich die Teilnehmenden bei Brezeln und Getränken aus.