Von Breitenbenden in die Welt der Moleküle

Ihre ersten naturwissenschaftlichen Bücher kaufte Martina Havenith als Mädchen in der Buchhandlung Abel in Mechernich. Heute forscht die Physikerin an der Ruhr-Universität Bochum und zählt zu den prägenden Wissenschaftlerinnen der Hochschule. Ihr Weg führte vom Sternenhimmel über Breitenbenden zu Molekülen, Lasern und der Frage, welche Rolle Lösungsmittel bei chemischen und biologischen Vorgängen spielen.
Vom Astronomietraum zur Physik
Martina Havenith wurde am 13. April 1963 in Mechernich geboren und wuchs mit ihrem Bruder Wolfgang in Breitenbenden auf. Nach der Katholischen Grundschule besuchte sie das heutige Gymnasium Am Turmhof, an dem sie 1981 Abitur machte. Noch im selben Jahr begann sie an der Universität Bonn Physik und Mathematik zu studieren. Zunächst interessierte sie sich für Astronomie; später rückten Licht, Moleküle und ihre Wechselwirkungen in den Mittelpunkt.
Nach ihrem Physikstudium promovierte Havenith 1990 summa cum laude und habilitierte sich in Experimentalphysik. Ein Forschungsaufenthalt an der University of California in Berkeley von 1987 bis 1988 prägte ihren Blick auf die Wissenschaft. Im Podcast „Think. Try. Transform.“ beschreibt sie, wie sie dort den Enthusiasmus für Forschung entdeckte und ermutigt wurde, eine Professur anzustreben.
Lösungsmittel als aktive Mitspieler
1998 kam Havenith an die Ruhr-Universität Bochum und wurde Professorin für Physikalische Chemie II. Dort entwickelte sie die Idee, Lösungsmittel stärker in den Blick zu nehmen. Wasser und andere Lösungsmittel seien nicht bloß die Umgebung, in der chemische und biologische Reaktionen ablaufen: Sie können Prozesse beeinflussen, beschleunigen oder bremsen.
Aus diesem Ansatz entstand der Exzellenzcluster RESOLV, ausgeschrieben „Ruhr Explores Solvation“. Seit 2012 prägt Havenith den Forschungsverbund als Initiatorin und Sprecherin. Forschende aus Chemie, Physik, Biologie und Ingenieurwissenschaften untersuchen dort, wie Lösungsmittel chemische Prozesse und biologische Vorgänge beeinflussen. Moderne Laser- und Terahertz-Methoden helfen ihnen, diese Abläufe auf molekularer Ebene sichtbar zu machen.
Neben der Forschung setzt Havenith auf bessere Bedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Dazu gehören nach dem Bericht Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte, Konferenzen, Summer Schools und zusätzliches Coaching. Auch für Wissenschaftlerinnen sollen Strukturen geschaffen werden, die ihnen ermöglichen, ihre Projekte während einer Schwangerschaft fortzuführen.