Ehrenamtstag im Kreis Minden-Lübbecke: Veränderung, Strukturen und Blick nach vorn
Beim Ehrenamtstag des Kreises Minden-Lübbecke am 23. September in der Alten Gießerei in Espelkamp standen die Veränderungen im Ehrenamt und die Frage nach künftigen Strukturen im Mittelpunkt. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Fabian Breuer vom Kreis Minden-Lübbecke. Rund 100 Teilnehmende aus Ehrenamt, Vereinen, Kommunen, Verwaltung, Organisationen und Verbänden kamen dabei ins Gespräch.
Zu Beginn bezog eine digitale Mentimeter-Abfrage das Publikum direkt ein. 41 Prozent der Teilnehmenden bezeichneten sich als ehrenamtlich Engagierte, 38 Prozent als Vereinsvorstände. 49 Prozent der Antwortenden engagieren sich bereits seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich, weitere 18 Prozent seit sechs bis zehn Jahren und 22 Prozent seit zwei bis fünf Jahren. Damit wurde nach Angaben des Kreises deutlich, dass viel Erfahrung im Raum war und zugleich die Frage im Fokus stand, wie dieses Wissen für die Zukunft des Ehrenamts genutzt und weitergegeben werden kann.
Junge Menschen und Verantwortung
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Perspektive junger Engagierter. Jan Schmale berichtete in seinem Impuls „Ehrenamt hat viele Gesichter“ aus seinen Erfahrungen in Dorf, Sportverein sowie Kinder- und Jugendarbeit. Seine zentrale Botschaft lautete, dass junge Menschen nicht nur mithelfen, sondern Verantwortung übernehmen und eigene Ideen umsetzen wollen. Dafür brauche es Vertrauen und echte Gestaltungsmöglichkeiten. Gemeinschaft sei zudem ein entscheidender Faktor dafür, dass Menschen langfristig im Ehrenamt blieben.
Projekt „Ehrenamt 4.0“ vorgestellt
Auch das Projekt „Ehrenamt 4.0 – Coachingnetzwerk im Mühlenkreis“ wurde vorgestellt. Das vom Bündnis Ländlicher Raum im Mühlenkreis e. V. getragene LEADER-Projekt läuft von 2026 bis 2028. Ziel ist es, ehrenamtliche Strukturen zu stärken und zukunftsfähig zu machen. Dafür soll ein kreisweites Netzwerk qualifizierter Ehrenamts-Coaches entstehen.
Die Coaches sollen Vereine und ehrenamtliche Gruppen bei konkreten Herausforderungen unterstützen, etwa bei der Gewinnung neuer Engagierter, in der Vorstandsarbeit, bei der Kommunikation, bei neuen Projekten oder bei der Entwicklung langfristiger Perspektiven. Nach Angaben der Pressemitteilung geht es dabei nicht um fertige Lösungen, sondern um Begleitung, Impulse und gemeinsam entwickelte Lösungswege.
Vereine für die Praxisphase gesucht
Die nächsten Schritte sind bereits konkret geplant. Die angehenden Ehrenamts-Coaches wollen das Gelernte in einer Praxisphase anwenden. Dafür werden Vereine, Initiativen und ehrenamtliche Gruppen aus dem Mühlenkreis gesucht, die eine konkrete Herausforderung mitbringen und sich auf einen Coachingprozess einlassen möchten.
Interessierte Vereine und Initiativen können sich beim Bündnis Ländlicher Raum im Mühlenkreis melden. Weitere Informationen zum Projekt, zur Praxisphase und zum Coachingnetzwerk gibt es unter www.blr-ev.de.
Blick auf das Ehrenamt 2030
Zum Abschluss richtete der Zukunftstalk „Ehrenamt 2030“ den Blick auf die kommenden Jahre. Unter der Moderation von Rainer Riemenschneider diskutierten Landrat Ali Doğan, Bürgermeister Dr. Henning Vieker, Fabio Guzzo von den Digital Chamäleons, Jan Schmale, Jana Fink von „Demokratie leben!“ Espelkamp sowie Dr. Pia Steffenhagen-Koch vom Bündnis Ländlicher Raum im Mühlenkreis über die Zukunft des Engagements.
Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie junge Menschen stärker beteiligt und für Engagement gewonnen werden können, wie Digitalisierung und Veränderung zur Entlastung beitragen können und welche Rolle Kommunen, Verwaltung und Politik bei guten Rahmenbedingungen spielen. Der Abend endete nach Angaben des Kreises nicht mit fertigen Antworten, sondern mit dem gemeinsamen Blick nach vorn auf die Frage, wie das Ehrenamt im Mühlenkreis 2030 gestaltet werden kann.