Grab bei Arbeiten am Fischerjungenbrunnen entdeckt
Bei der Sanierung des Fischerjungenbrunnens an der Nordostecke der Kirche St. Lambertus in der Düsseldorfer Altstadt sind Überreste des historischen Friedhofs freigelegt worden. Auf der Sohle eines Grabens für eine Wasserleitung, etwa einen Meter unter der heutigen Geländeoberfläche, fanden Fachleute menschliche Knochen in ungestörter Lage. Die baubegleitende archäologische Dokumentation der im September abgeschlossenen Arbeiten wurde von der Firma „archäologie.de“ vorgenommen.
Zu den entdeckten Überresten gehörten ein Schädel sowie Teile der Hals- und Brustwirbelsäule, der Schlüsselbeine und des Oberarmknochens. Die bestattete Person war, wie bei christlichen Begräbnissen üblich, mit Blick nach Osten ausgerichtet. Da keine tieferen Bodeneingriffe nötig waren, blieben die Knochen an ihrem Fundort. Der ehemalige Kirchhof ist das „Bodendenkmal des Monats Oktober 2026“.
Ein Friedhof rund um die Kirche
Am Standort der heutigen Kirche St. Lambertus gab es mindestens seit der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Kirche. Sie wurde vermutlich 1206 zur Pfarrkirche erhoben; das umliegende Gelände diente wahrscheinlich schon damals als Friedhof für die Gemeinde des Dorfes an der Düssel. Nach der Erhebung Düsseldorfs zur Stadt im Jahr 1288 begann der Bau einer gotischen Stiftskirche. Die heute das Zentrum der Altstadt prägende dreischiffige Hallenkirche war vermutlich erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts fertiggestellt.
Eine Urkunde aus dem Jahr 1303 erwähnt erstmals ausdrücklich den Friedhof des Stifts. Der Begräbnisplatz erstreckte sich über weite Teile der Freiflächen rund um die Kirche. Bei Leitungsarbeiten südlich von St. Lambertus wurden 2016 Gräber in teils nur etwa 0,6 Meter Tiefe unter dem Pflaster dokumentiert. Grüne Verfärbungen an einigen Schädeln deuteten auf sogenannte „Totenkronen“ hin: Kopfschmuck aus Draht und Textilien, der unverheirateten Personen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert mit ins Grab gegeben wurde.
Vom Kirchhof zum städtischen Platz
Bei den Untersuchungen von 2016 kamen außerdem Fundamente eines kleinen Gebäudes zutage. Wahrscheinlich handelt es sich um die Reste eines Beinhauses, das in einem Schriftstück aus dem Jahr 1570 erwähnt wird. Spätestens im 18. Jahrhundert war der Friedhof zu klein geworden. Die Gräber lagen zunehmend nahe unter der Oberfläche; zugleich wuchs das Gelände in die Höhe. Hochwasser betraf dadurch umliegende Häuser stärker, und es gab Klagen über Verwesungsgeruch.
1766 wurde der Friedhof geschlossen. Die katholischen Bürger Düsseldorfs wurden fortan vor dem Flinger Tor im Osten der Stadt beigesetzt. 1815 wurde das ehemalige Friedhofsgelände planiert und zu einem städtischen Platz umgestaltet. Der Fischerjungenbrunnen kam 1938 anlässlich des 650-jährigen Bestehens der Stadt hinzu. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten führt er nun wieder Wasser.
Fotos zum „Denkmal des Monats Oktober 2026“ stellt die Stadt online bereitexterner Link, öffnet ein neues Fenster.