Ratingen warnt vor mehr Fluglärm bei geplanter Flughafenerweiterung
Die Stadt Ratingen hält die beantragte Kapazitätserweiterung des Düsseldorfer Flughafens für nicht erforderlich und warnt vor zusätzlichen Belastungen durch Fluglärm und Ultrafeinstaub. Ihre ergänzende Stellungnahme zum geänderten Antrag wurde vom Rat einstimmig beschlossen und an NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer gerichtet. Die Offenlage endete am 1. Oktober 2026.
Der Flughafen hatte seinen Antrag aus dem Jahr 2015 im Dezember 2025 in veränderter Form erneut eingereicht. Frühere Einwendungen der Stadt bleiben bestehen. Ratingen begrüßt, dass der Flughafen die Abschaffung der Obergrenze von 131.000 Flugbewegungen in den sechs verkehrsreichsten Monaten nicht weiterverfolgt. Von Mai bis Oktober 2025 wurden nach Angaben der Stadt 94.500 Flugbewegungen gezählt. Die Obergrenze sei damit absehbar nicht erreichbar; auch die bestehende Genehmigung biete noch Kapazitätsreserven.
Kritik an Spitzenkapazität und Slot-Konto
Im Mittelpunkt der Einwände steht die geplante Flexibilisierung des Flugbetriebs. In Spitzenzeiten, die bis zu acht Stunden täglich dauern könnten, sollen künftig bis zu 60 Flugbewegungen pro Stunde möglich sein. Für die übrigen acht Stunden sind bis zu 45 vorgesehen. Die zulässige Spitzenkapazität würde damit gegenüber den bisher möglichen 47 Flugbewegungen pro Stunde um rund 27,7 Prozent steigen.
Zudem soll ein „Slot-Konto“ mit 15-Minuten-Zeitscheiben erlauben, Flugbewegungen flexibel über den Tag zu verschieben. Die Stadt befürchtet, dass Lärmspitzen dadurch unberechenbarer auftreten und verlässliche Lärmpausen ausbleiben. Das lärmmedizinische Gutachten der Charité untersuche diese Regelung nach Einschätzung Ratingens nicht, obwohl sie besonders starke Auswirkungen haben könne.
Einwände zu Lärmprognose und Nachtflügen
Die Stellungnahme beanstandet, dass die Lärmprognose mit einer zu niedrigen Zahl von Flugbewegungen rechne. Außerdem seien die angesetzten Schwellen für gesundheitsgefährdenden Lärm von 70 dB(A) am Tag und 60 dB(A) in der Nacht nach jüngster Forschung und Rechtsprechung veraltet und müssten niedriger liegen.
Ratingen warnt, dass die Auslastung des Zweibahnsystems mit 60 Flugbewegungen pro Stunde Verspätungen begünstigen könnte. Die Stadt fordert, eine Zunahme von Flügen zwischen 22 und 24 Uhr ebenso zu verhindern wie eine Verdrängung in die Kernnacht von 0 bis 6 Uhr. Bereits jetzt sei eine besorgniserregende Zunahme von Nachtflügen festzustellen.
Eine höhere Belastung durch Ultrafeinstaubpartikel erwartet die Stadt insbesondere für Bewohnerinnen und Bewohner von Tiefenbroich, das in der Ein- und Abflugschneise liegt. Zudem sieht sie durch die flexible Verteilung der Spitzenzeiten den Angerlandvergleich gefährdet: Die Nordbahn könne dadurch ihren Charakter als nachrangige Entlastungsbahn verlieren und zunehmend im regulären Betrieb genutzt werden.