Datteln plant deutlich mehr Baumfällungen und Nachpflanzungen
Fällungen sollen ab Oktober 2026 beginnen und erfolgen nur bei stark geschädigten oder abgestorbenen Bäumen, geprüft durch mindestens zwei Fachkräfte
In Datteln müssen in diesem Jahr nach Angaben des Kommunalen Servicebetriebs deutlich mehr Bäume gefällt werden als sonst. Grund sind Schäden durch Hitze, Trockenheit, Schädlinge und Pilze. Die ersten Fällungen sollen voraussichtlich ab Oktober 2026 erfolgen. Nachpflanzungen sind vorgesehen; jeder gefällte Baum soll durch einen neuen ersetzt werden.
Wie der KSD mitteilt, stehen die Gehölze in Datteln seit Jahren unter starkem Hitzestress. Nicht erst der Sommer mit Temperaturen teils um 40 Grad habe die Bäume belastet, sondern bereits die heißen Jahre 2017 und 2018. Hinzu komme, dass sich Schäden über die Jahre summiert hätten und viele Bäume durch Schädlinge zusätzlich geschwächt worden seien. Dadurch gebe es inzwischen mehr nicht mehr standsichere oder verkehrssichere Bäume als in den Vorjahren.
Mehr geschädigte Bäume als in früheren Jahren
Lukas Glockzin, Fachdienstleiter Grünanlagen, Friedhöfe beim KSD, verweist darauf, dass es in den vergangenen Jahren bereits Fälle mit rund 30 Fällungen pro Jahr gegeben habe. Inzwischen werde bei Kontrollen und Pflegemaßnahmen aber häufiger festgestellt, dass mehr Bäume geschädigt und nicht mehr standsicher seien. Betroffen seien fast alle heimischen Arten. Besonders wichtig seien deshalb regelmäßige Kontrollen und die Prüfung der Stand- und Bruchsicherheit.
Vielfältige Ursachen schwächen die Gehölze
Nach Darstellung des KSD spielen sogenannte Komplexkrankheiten eine immer größere Rolle. Dabei wirken verschiedene Faktoren zusammen: Trockenstress und Hitze schwächen einen Baum zunächst, anschließend können Schädlinge oder Pilze den bereits beeinträchtigten Baum zusätzlich schädigen. Der Zustand könne sich dann innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern.
Zu den Belastungen zählen laut Mitteilung auch neue Schädlinge und Pilzerkrankungen, die vermehrt auftreten. Der Klimawandel mit anhaltenden Trockenperioden, hohen Temperaturen und weiteren Witterungsextremen erhöhe die Anfälligkeit vieler Bäume. Zudem breiteten sich zunehmend Arten aus, die in der Region bislang keine oder nur eine untergeordnete Rolle gespielt hätten.
Beispiele für typische Schäden
Als bekanntes Beispiel nennt der KSD das Eschentriebsterben. Dabei werden die Bäume zunächst durch einen Pilzerreger geschädigt; absterbende Triebe und Kronenteile schwächen sie weiter. Zusätzliche Schäden im Stamm- oder Wurzelbereich können die Stand- und Bruchsicherheit weiter beeinträchtigen.
Bei Buchen zeigten sich laut Lukas Glockzin lichtere Kronen, außerdem sterbe vermehrt Holz ab und die Bäume litten bei längerer Trockenheit unter Sonnenbrand an der Rinde. Roßkastanien hätten mit der Kastanienminiermotte, einem Bakterium und bei zusätzlicher Schwächung auch mit dem Samtfußrübling zu kämpfen. Auch Eichen würden durch das Zusammenspiel von Trockenstress, Insektenfraß und Pilzerkrankungen deutlich geschwächt. Zu den besonders aufmerksam zu beobachtenden Schädlingen zählten verschiedene Borkenkäferarten, holz- und rindenbesiedelnde Pilze sowie wärmeliebende Insektenarten. Beim Ahorn könne nach heißen und trockenen Perioden zudem die Rußrindenkrankheit auftreten.
Fällungen nur bei fehlender Verkehrssicherheit
Ein Baum wird laut KSD nur dann gefällt, wenn er stark geschädigt oder abgestorben ist und eine Gefahr für Menschen, Gebäude oder Verkehrswege darstellt. Grundsätzlich gelte, dass jeder Baum so lange wie möglich erhalten werden solle. Fällungen würden daher nicht leichtfertig entschieden.
Der Zustand jedes betroffenen Baums werde individuell beurteilt. Dabei gelte das Vier-Augen-Prinzip: Mindestens zwei fachkundige Mitarbeitende prüften und bewerteten, ob eine Fällung erforderlich sei. Wo es fachlich vertretbar und mit der Verkehrssicherheit vereinbar sei, sollen Bäume erhalten und durch geeignete Pflegemaßnahmen stabilisiert werden.
Langfristig widerstandsfähiger Bestand als Ziel
Der KSD betont, dass der Klimawandel die Anforderungen an den Baumbestand verändert. Ziel sei es, den vorhandenen Bestand kontinuierlich zu beobachten und langfristig widerstandsfähiger zu entwickeln. Bei Nach- und Neupflanzungen werde deshalb verstärkt auf geeignete und möglichst klimaresiliente Baumarten geachtet.
Die zusätzlichen Fällungen in diesem Jahr seien Teil der notwendigen Maßnahmen, um auf zunehmende Schäden zu reagieren und gleichzeitig die Sicherheit zu gewährleisten.
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