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Soziales

Brandschutzerziehung an der Grundschule: 30 Jahre Praxis der Feuerwehr Lemgo

Seit 1996 mit einem eigenen Konzept an der Grundschule am Schloss – Unterricht, Besuch auf der Feuerwache und Übungen für richtiges Verhalten im Ernstfall

Von Redaktionsteam Lemgo02.09.26, 11:18

30 Jahre Brandschutzerziehung in Lemgo

Seit 30 Jahren vermittelt die Freiwillige Feuerwehr Lemgo Kindern, wie sie sicher mit Feuer umgehen und sich im Notfall richtig verhalten. Was 1996 als Idee eines Kameraden begann, ist nach Angaben der Feuerwehr heute ein fest etabliertes Konzept, das weit über Lemgos Grenzen hinaus Beachtung findet. Mehr als 10.000 Kinder haben seitdem an der Brandschutzerziehung teilgenommen.

Beginn an der Grundschule am Schloss

Die Geschichte des Projekts begann 1996 an der Grundschule am Schloss, damals noch Grundschule Brake. Ralf Mai war zu dieser Zeit stellvertretender Löschgruppenführer der Löschgruppe Brake. Gemeinsam mit dem damaligen Schulleiter Dr. Henner Krause und Feuerwehrkamerad Horst Gröne wurde überlegt, wie Brandschutzwissen kindgerecht und gleichzeitig mit vertretbarem Aufwand vermittelt werden könnte.

Die Grundschule wurde von den Beteiligten als der passende Ort für die Brandschutzerziehung angesehen. Zum einen besuchen alle Kinder eine Grundschule. Zum anderen war es dem Team wichtig, dass die Kinder schon in gewissem Maße charakterlich gefestigt sind.

Eigene Konzeption für die Freiwillige Feuerwehr

Die Umsetzung war nach Angaben der Feuerwehr zunächst eine Herausforderung. Bereits vorhandene Konzepte von Berufsfeuerwehren waren auf einen deutlich größeren Zeitaufwand ausgelegt und ließen sich für eine Freiwillige Feuerwehr, deren Mitglieder die Arbeit zusätzlich zum Ehrenamt leisten, nicht übertragen. Deshalb entwickelte Lemgo ein eigenes Konzept mit dem Ziel, fachlich fundierte, pädagogisch sinnvolle, kindgerechte und zugleich im Ehrenamt leistbare Inhalte anzubieten.

Dr. Henner Krause übernahm dabei die pädagogische Seite, Ralf Mai und Horst Gröne brachten die feuerwehrtechnische Perspektive ein. Die Mitglieder des Teams wurden innerhalb der Feuerwehr entsprechend ausgebildet, weil Brandschutzerziehung nicht nur Fachwissen, sondern auch pädagogisches Geschick und einen guten Umgang mit Kindern verlangt.

Ablauf der Brandschutzerziehung

Aus der zunächst geplanten eintägigen Veranstaltung wurden schließlich zwei Unterrichtstage in der Schule mit jeweils vier Unterrichtsstunden. Hinzu kommt ein dritter Tag auf der Feuerwache. Bei einer Führung erhalten die Kinder einen Eindruck von den vielfältigen Aufgaben einer Feuerwache, bekommen einen Überblick über Geräte und Fahrzeuge und lernen die persönliche Ausrüstung einer Einsatzkraft kennen. Ergänzt wird das Programm durch kindgerechte Übungen und Vorführungen. Zum Abschluss erhält jedes Kind eine Urkunde.

Besonders aufregend ist nach Angaben der Feuerwehr die unangekündigte Alarm- und Evakuierungsübung an der jeweiligen Schule. Dabei wird eine realistische Situation mit Rauch simuliert und das Verhalten im Notfall geübt. Was anfangs bei manchen Schulen und Lehrkräften auf Skepsis stieß, ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Die regelmäßigen Übungen haben dazu beigetragen, Abläufe zu verbessern und die Sicherheit an den Schulen zu erhöhen.

Wissen für den Ernstfall

Auch anfängliche Sorgen, das Projekt könne Kinder zum Zündeln animieren, haben sich laut Feuerwehr nicht bestätigt. Im Gegenteil: Immer wieder erlebt die Wehr, dass Kinder ihr Wissen aus der Brandschutzerziehung in tatsächlichen Notsituationen anwenden können. Als Beispiele nennt die Feuerwehr einen Handybrand in einem Kinderhaushalt, bei dem das Kind Fenster und Türen schloss und alle in Sicherheit brachte, sowie einen Notruf, den ein Kind so souverän absetzte, dass die Leitstelle zunächst an der Echtheit des Anrufs zweifelte.

Die Feuerwehr entwickelt das Konzept nach eigenen Angaben regelmäßig weiter. Begriffe und Beispiele werden an die Lebenswelt der Kinder angepasst, damit die Inhalte verständlich bleiben. Vor jedem Durchgang sprechen die Einsatzkräfte zudem mit den Lehrkräften darüber, ob es in der Klasse Kinder gibt, die bereits einschneidende Erfahrungen mit Feuer oder der Feuerwehr gemacht haben. Manche Kinder reagieren zunächst ängstlich, und das Team geht auf solche Situationen sensibel und individuell ein. Die Lehrkräfte sind während der Unterrichtseinheiten stets dabei.

Überregionale Beachtung und Unterstützung

Das Lemgoer Konzept hat inzwischen auch überregional Anerkennung gefunden. Die Freiwillige Feuerwehr Lemgo war damit bereits auf verschiedenen Messen vertreten, unter anderem in Bad Salzuflen, Iserlohn, Leipzig, Aachen und Berlin. Außerdem gab es Interesse aus Norwegen und Island an der Frage, wie die Lemgoer Brandschutzerziehung funktioniert. Weitere Kommunen im Kreis Lippe nutzen das Konzept ebenfalls.

Eine wichtige Unterstützung ist nach Angaben der Feuerwehr die Lippische Landesbrandversicherung. Sie fördert das Projekt und kümmert sich um den Druck des mittlerweile kreisweit einheitlichen Unterrichtsmaterials. Dieses wird regelmäßig auf Aktualität und pädagogischen Anspruch überprüft und angepasst.

30 Jahre Engagement

Für Ralf Mai ist das Ziel auch nach 30 Jahren unverändert: Die Kinder sollen erreicht werden, vorsichtiger sein und in Notsituationen richtig reagieren. Auch Leiter Lars-Uwe Brede betont, dass das Projekt nur mit engagierten Feuerwehrangehörigen, der Kooperation der Schulen, der Unterstützung Dritter und dem Verständnis bei den Arbeitgebern funktioniert. Teilweise nehmen Einsatzkräfte dafür nach seinen Angaben eine ganze Woche Urlaub, weil es nicht immer möglich ist, für einen so langen Zeitraum dem Arbeitsplatz fernzubleiben.

Aus dem gemeinsamen Pilotprojekt der Löschgruppe Brake und der damaligen Grundschule Brake ist so ein Erfolgsmodell geworden, das Kinder für den Ernstfall stärkt.

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Aus dem gemeinsamen Pilotprojekt der Löschgruppe Brake und der damaligen Grundschule Brake ist ein Erfolgsmodell geworden, das Kinder stark für den Ernstfall macht.
Foto: lemgo.de

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