Remscheid erinnert mit neuem Gedenkbuch an rund 480 NS-Opfer
Ein neues Gedenkbuch dokumentiert die Schicksale von rund 480 Menschen, die in Remscheid geboren wurden, dort lebten oder deren Lebensweg mit der Stadt verbunden war. Sie kamen während der Zeit des Nationalsozialismus oder kurz danach in Heil- und Pflegeanstalten ums Leben. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch, 28. Oktober, im Rathaus vorgestellt.
Grundlage des Buches sind rund 16 Jahre Forschungsarbeit von Viola Meike vom Stadtarchiv Remscheid. Es arbeitet erstmals wissenschaftlich auf, wie viele Menschen aus Remscheid Opfer der nationalsozialistischen Krankenmordprogramme wurden. Einen Schwerpunkt bilden ehemalige Patientinnen und Patienten der Stiftung Tannenhof: Viele wurden ab 1941 in andere Anstalten verlegt und überlebten diese Verlegungen den Recherchen zufolge überwiegend nicht.
Die rund 480 Kurzbiografien sollen den Opfern ihre Namen und Geschichten zurückgeben. Das Buch soll außerdem Familien bei der Suche nach Angehörigen unterstützen, deren Schicksale oft verschwiegen oder ungeklärt geblieben sind.
Eine begleitende Ausstellung ist ab dem 5. November im Foyer des Rathauses zu sehen. Nach offiziellen Schätzungen wurden im Deutschen Reich mindestens 275.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie körperlichen oder geistigen Behinderungen Opfer der verschiedenen nationalsozialistischen Krankenmordaktionen.