Stadt Wesel entscheidet über „Bahnhofsumfeld Wesel“

Am 29. September entscheidet der Rat Wesel über das Konzept „Bahnhofsumfeld Wesel“ und mögliche Fördermittel für Halle und InnovationsCampus.

Von Redaktion Wesel5 Min. Lesezeit

Der Rat der Stadt Wesel soll am 29. September über das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept „Bahnhofsumfeld Wesel“ entscheiden. Mit einem positiven Beschluss könnte die Stadt erstmals einen Förderantrag für die gesamte Maßnahme stellen.

Im Mittelpunkt des Konzepts stehen eine neue Stadthalle mit InnovationsCampus sowie die Entwicklung des Bahnhofsumfelds. Nach Angaben der Stadt soll damit ein Ort entstehen, der sowohl für Schützenfeste, Karneval, Kultur und große Veranstaltungen genutzt werden kann als auch neue Möglichkeiten für Unternehmen, Hochschulen und die Kreisverwaltung bietet. Zugleich soll das Bahnhofsumfeld aufgewertet werden.

Verbindung von Stadtgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft

Die Stadt Wesel hat gemeinsam mit zahlreichen Partnern in den vergangenen Jahren die Voraussetzungen für das Stadtentwicklungsprojekt erarbeitet. Nach dem Konzept soll die Halle abends und an Wochenenden für Veranstaltungen offenstehen, während der Standort werktags durch Wissenschaft, Wirtschaft und Kreisverwaltung belebt wird. Die Vereine sollen dabei wieder einen festen Platz in Wesel haben.

Bürgermeister Rainer Benien betont, die neue Halle solle Heimat für Brauchtum, Vereine, Kultur und große Veranstaltungen sein. Zugleich solle ein Ort entstehen, an dem Unternehmen direkt mit Wissenschaft und Forschung zusammenkommen. Nach seiner Darstellung benötigt die Stadt für den Bau Fördermittel, da eine Veranstaltungshalle ohne Förderung nicht finanzierbar sei.

Für die heimische Wirtschaft soll der InnovationsCampus einen praktischen Nutzen haben. Nach der Mitteilung beschäftigen sich viele Unternehmen mit Themen wie Digitalisierung, Fachkräftesicherung, neuen Produktionsverfahren, Nachhaltigkeit oder der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Hochschulen verfügten zugleich über wissenschaftliches Wissen, Forschungskapazitäten, Studierende und Nachwuchskräfte. Der Campus soll beide Seiten in Wesel zusammenbringen.

Unternehmen aus Wesel und der Region sollen vor Ort Kontakte zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern knüpfen, konkrete betriebliche Fragestellungen bearbeiten und gemeinsame Projekte entwickeln können. Daraus könnten neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entstehen. Umgekehrt erhielten die Hochschulen einen direkten Zugang zu den Unternehmen der Region sowie zu praktischen Fragestellungen und möglichen Partnern für Forschung, Lehre und Transfer.

Die Hochschule Rhein-Waal und die Hochschule Ruhr West haben laut Mitteilung ihr langfristiges Interesse erklärt, den InnovationsCampus für Forschung, Innovation, Wissenstransfer und Kooperation zu nutzen und mitzugestalten. Prof. Oliver Locker-Grütjen von der Hochschule Rhein-Waal und Prof. Dr. Susanne Staude von der Hochschule Ruhr West sollen in der Ratssitzung den aktuellen Stand vorstellen.

Auch Unternehmen aus Wesel und der Region wurden demnach in den vergangenen Jahren eingebunden. Mittlerweile haben 28 Unternehmen und Institutionen ihr Interesse an einer Mitwirkung durch Absichtserklärungen dokumentiert. Die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft ist seit 2023 Bestandteil der Campusentwicklung. Der Rat hatte damals beschlossen, den InnovationsCampus gemeinsam mit den Hochschulen und weiteren Akteuren auszuarbeiten.

Kreis Wesel als Partner

Landrat Ingo Brohl sieht in dem Projekt die Chance, mehrere Zukunftsaufgaben miteinander zu verbinden. Nach seiner Einschätzung eröffnet sich für den Kreis Wesel eine langfristige Perspektive für moderne und nachhaltige Verwaltungsflächen und damit zugleich eine mögliche Lösung für den bestehenden Flächen- und Modernisierungsbedarf am Kreishaus. Gleichzeitig entstehe mit dem InnovationsCampus ein Ort, an dem Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft enger zusammenarbeiten können.

Der Kreis weist nach Angaben der Mitteilung einen erheblichen Instandhaltungs- und Modernisierungsbedarf am Kreishaus auf. Außerdem verfolgt er das Ziel, bislang verteilte Verwaltungsflächen stärker zusammenzuführen und dabei moderne und nachhaltige Standorte in öffentlicher Hand zu nutzen. Gegenüber der Stadt hat der Kreis erklärt, die für ihn vorgesehenen Verwaltungsflächen im InnovationsCampus nach Fertigstellung langfristig anzumieten. Grundsätzlich ist eine Laufzeit von 30 Jahren vorgesehen. Die konkrete Größe der Flächen, Mietkonditionen und Vertragsbedingungen sollen weiteren Abstimmungen und den notwendigen politischen Entscheidungen vorbehalten bleiben.

Damit soll nach Darstellung der Stadt eine strategische Partnerschaft mit gegenseitigem Nutzen entstehen: Der Kreis erhält eine Perspektive für benötigte moderne Verwaltungsflächen, während seine dauerhafte Präsenz zugleich zur regelmäßigen Nutzung und wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Gesamtstandorts beitragen kann.

Bahnhofsumfeld und Dinslakener Landstraße

Der Förderantrag soll sich nicht allein auf den InnovationsCampus beziehen. Auch das unmittelbare Bahnhofsumfeld und das Quartier an der Dinslakener Landstraße gehören zum Entwicklungskonzept. Dort sollen bestehende städtebauliche Probleme an den Hochhäusern angegangen und neue Perspektiven entwickelt werden. Außerdem sollen die Verbindungen rund um Bahnhof und ZOB attraktiver, sicherer, barrierefreier und klimaangepasster gestaltet werden.

Erst Förderantrag, dann weitere Entscheidungen

Mit der Entscheidung am 29. September würde der Rat noch keinen Bau des InnovationsCampus beschließen. Zunächst soll der Stadt der Weg zu einem Förderantrag eröffnet werden. Erst im Förderverfahren wird sich zeigen, welche Maßnahmen und Kosten anerkannt werden und wie hoch eine mögliche Förderung tatsächlich ausfällt. Anschließend soll der Rat auf Grundlage der dann vorliegenden Zahlen über die Umsetzung der einzelnen Investitionen entscheiden.

Benien verweist darauf, dass sich aus der Frage nach einer neuen Niederrheinhalle in den vergangenen Jahren gemeinsam mit vielen Partnern eine Perspektive für einen ganzen Standort entwickelt habe. Nun bestehe die Möglichkeit, den nächsten Schritt zu gehen und Fördermittel für Wesel zu beantragen. Über die tatsächlichen Investitionen soll der Rat erst entscheiden, wenn klar ist, ob und welche Förderung möglich ist und was bei der Stadt verbleibt.

Investitionszeitraum von bis zu zehn Jahren

Wird Wesel in die Städtebauförderung aufgenommen, beginnt nach Angaben der Mitteilung ein Investitionszyklus von bis zu zehn Jahren. In diesem Zeitraum sollen die Maßnahmen schrittweise umgesetzt werden, von besseren Wegebeziehungen und der Aufwertung des Bahnhofsumfelds über Entsiegelung und Klimaanpassung bis zum InnovationsCampus.

Das gesamte Entwicklungskonzept rund um den Bahnhof Wesel umfasst nach heutigem Planungsstand Investitionen von rund 93 Millionen Euro, davon rund 86 Millionen Euro für den InnovationsCampus. Langfristig vermietete Bereiche, etwa an den Kreis Wesel, können nicht über die Städtebauförderung, sondern über langfristige Mietverträge finanziert werden. Welche Kosten tatsächlich anerkannt werden, wie hoch die Förderung ausfällt und welcher Eigenanteil bei der Stadt verbliebe, entscheidet sich erst im Förderverfahren. Danach soll der Rat der Stadt Wesel über mögliche Umsetzungen entscheiden.

Hat dir der Artikel geholfen? Teile ihn gern:

Einfache Sprache

Die Google-Cookie-Einstellungen sind noch nicht verfügbar. Ein Browser-Schutz kann das Laden verhindern. Ohne Zustimmung werden keine Google-Anzeigen freigegeben.

Datenschutz