Clara-Grunwald-Schule stellt Ergebnisse ihrer Projektwoche vor

Die Clara-Grunwald-Schule schloss ihre Projektwoche am Freitag, 9. Oktober, mit einer Präsentation der Arbeitsergebnisse ab. Die Schülerinnen und Schüler stellten einander sowie ihren Eltern, Familien und Gästen aus Politikexterner Link, öffnet ein neues Fenster, Kirche und Vereinen vor, womit sie sich vom 28. September bis 2. Oktober beschäftigt hatten.
Alle vier Jahrgangsstufen befassten sich altersgerecht mit Clara Grunwald, der neuen Namensgebung der früheren Hermann-Gmeiner-Schule in Rheydt-Pongs, den Weltreligionen und Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Dazu gehörten Kinderrechte und der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen Religionen, Überzeugungen und Lebensgeschichten.
Biografie und religiöse Vielfalt
Die Kinder lernten Grunwald als Lehrerin und Reformpädagogin kennen und beschäftigten sich mit ihrer jüdischen Herkunft und ihrer Verfolgung während der NS-Zeit. Die Viertklässler nahmen an einem ganztägigen Workshop des Vereins Zweitzeugen e.V. teil. Dabei lernten sie die Lebensgeschichte eines weiteren im Nationalsozialismus verfolgten Menschen kennen und setzten sie mit Grunwalds Biografie in Beziehung.
Besuche führten die Kinder in die evangelische Hauptkirche Rheydt, in die Landsynagoge Titz, zu einem jüdischen Friedhof in Mönchengladbach und in eine Moschee. So konnten sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Religionen erkunden. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mönchengladbach errichtete für die Projektwoche und anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes eine Laubhütte im Lesegarten der Schule. Dort kamen die Kinder zum Erzählen, Singen und Frühstücken zusammen.
Hintergrund der Umbenennung
Nach schwerwiegenden Vorwürfen gegen den früheren Namensgeber wurde die Schule zum 1. August dieses Jahres umbenannt. Sie trägt nun den Namen Clara Grunwalds, die 1877 in Rheydt geboren wurde und über viele Jahre als Lehrerin arbeitete. Sie gehörte zu den Vertreterinnen der Montessori-Reformpädagogik. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verlor sie 1933 ihre berufliche Stellung und engagierte sich in den folgenden Jahren trotz zunehmender Verfolgung in jüdischen Bildungs- und Hilfszusammenhängen.
Im April 1943 ging Grunwald freiwillig in das Vernichtungslager Auschwitz, weil sie die ihr anvertrauten jüdischen Kinder nicht allein lassen wollte. Eigentlich sollte sie in ein Arbeitslager deportiert werden. In Auschwitz wurde sie ermordet.
Bereits vor der Projektwoche hatte sich das Kollegium gemeinsam mit dem Verein Zweitzeugen mit Holocaust Education in der Grundschule, der Vermittlung von Verfolgungs- und Überlebensgeschichten sowie mit Antisemitismus beschäftigt. Schulleiterin Antonia Thies-Michael sagte, die Umbenennung solle nicht mit einem neuen Schild am Schulgebäude abgeschlossen sein. Die Schule habe mit den Kindern herausfinden wollen, wer Clara Grunwald war und warum sie den Namen trägt.
Festakt zur neuen Namensgebung
Bei dem Festakt bezeichnete Bürgermeisterin Gülistan Yüksel die Umbenennung als besonderen Tag für die Stadt und die Schule. Der Name stehe für eine besondere Identität und Geschichte und solle Orientierung für Gegenwart und Zukunft geben. Bezirksbürgermeister Ulrich Elsen hob Grunwalds Vorbildfunktion hervor und verband die Namensgebung mit dem Auftrag, ihre Arbeit fortzuführen.
Pfarrer Michael Schicks erinnerte an Grunwald und weitere Menschen jüdischen Glaubens, die Verantwortung für andere übernommen und dafür ihr Leben verloren hätten. Er wünschte der Schulgemeinschaft, sie möge Liebe füreinander ausstrahlen. Der evangelische Pfarrer Peter Brischke, der als Vertreter der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ein Grußwort hielt, sagte, mit der Namensgebung sei auch ein Segen verbunden, der die Zukunft der Schule prägen solle.
Zum Abschluss überreichte Reinhold Schiffers von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Schulleiterin Antonia Thies-Michael zwei Porträts Clara Grunwalds. Die Mönchengladbacher Künstlerin Christiane Behr hatte sie anlässlich der Umbenennung für die Schule geschaffen.