50 Jahre Kulturzentrum Herne: Saal- und Bühnenhydraulik im Wandel
Vom Neubau 1976 mit der Oper „Die verkaufte Braut“ bis zur umfassenden Sanierung 2009 bis 2010
Das Kulturzentrum Herne (KuZ) am Willi-Pohlmann-Platz 1 blickt auf 50 Jahre zurück. Was einst mit einer Rücklage von 100.000 DM für eine Bücherei und einen kleinen Veranstaltungssaal begann, entwickelte sich zu einem zentralen Ort des städtischen Kulturlebens und zu einem der technisch anspruchsvollsten Bauprojekte der regionalen Nachkriegsgeschichte.
Von der „Großen Lösung“ zum Kulturstandort
Auslöser für den Bau war eine in Herne als eklatant beschriebene „Saalnot“. Deshalb forcierte der Rat der Stadt Ende 1969 die sogenannte „Große Lösung“. Vorgesehen war ein integrierter Neubau an der Kronprinzenstraße, der Stadthalle, Volkshochschule, Stadtbücherei und Gastronomie unter einem Dach vereinen sollte.
Den Architektenwettbewerb im Dezember 1970 gewann das Essener Team Allerkamp und Niehaus mit einem sachlichen Entwurf aus Sichtbeton. Um Kosten zu sparen, entschied sich die Stadtverwaltung gegen eine schrittweise Realisierung und begann im Juni 1973 mit dem Bau „im Stück“. Das Richtfest wurde im Dezember 1974 gefeiert. Fertiggestellt wurde das damals teuerste Bauwerk der Stadtgeschichte mit Gesamtbaukosten von rund 32 Millionen DM.
Eröffnung mit Opernaufführung
Am 15. September 1976 wurde das Kulturzentrum mit Friedrich Smetanas Oper Die verkaufte Braut eröffnet. Da sich Herne kein reines Schauspielhaus leisten konnte, setzten die Planer auf eine besonders flexible Nutzung des Gebäudes.
Das technische Herzstück ist bis heute eine hochentwickelte Saal- und Bühnenhydraulik, die im Ruhrgebiet selten ist. Mit ihr lässt sich der abgestufte Saalboden mit der festen Bestuhlung stufenweise absenken oder vollständig auf das Niveau von Foyer und Bühne anheben. Zusammen mit einem 75 Quadratmeter großen Orchestergraben, der zugleich als Lastenaufzug dient, sowie verschiebbaren Trennwänden kann der Raum vom Theater mit 790 Plätzen in eine ebene Eventfläche für bis zu 1.200 Personen verwandelt werden.
Modernisierung des Hauses
Obwohl die Sichtbeton-Fassade dem Gebäude in den 1990er-Jahren den Ruf eines düsteren „Bunkers“ einbrachte und hohe Energiekosten verursachte, blieb die Bedeutung des Hauses unbestritten. Zwischen 2009 und 2010 investierte die Stadt Herne rund 6,15 Millionen Euro in eine umfassende Sanierung des Innen- und Außenbereichs.
In diesem Zuge wurde die dunkle Fassade aufgehellt, der Haupteingang vom Untergeschoss barrierefrei auf die Platzebene des Willi-Pohlmann-Platzes verlegt und ein gläsernes Vordach installiert. Im Inneren ersetzte ein modernes, helles Lamellensystem mit integrierter LED-Technik sowie eine feste Lounge-Bar im Foyer den früheren 70er-Jahre-Look.
Technik und aktuelle Bedeutung
Nach Angaben des technischen Leiters Per Jaeger ist das Haus technisch fortlaufend in Bewegung. Vor rund zwei Jahren wurde die gesamte Tonanlage modernisiert.
Mit professionellem Bühnenturm und flexiblen Versenkeinrichtungen ist das KuZ heute weit mehr als eine Mehrzweckhalle. Es gilt als hochmoderner, überregional geschätzter Ankerpunkt für Gastspiele, Tagungen und den städtischen Kulturbetrieb.
Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda bezeichnete das Kulturzentrum als die „gute Stube“ der Stadt und als Symbol für Wandel und Zusammenhalt in Herne. Es habe Generationen von Bürgerinnen und Bürgern zusammengebracht und sei ein zentraler Ort der Begegnung, des Austauschs und der städtischen Identität.
Kulturdezernent Andreas Merkendorf verwies auf die besondere Verbindung von Stadthalle, Volkshochschule und Bibliothek unter einem Dach. Diese sei damals visionär gewesen und heute aktueller denn je. Das KuZ ermögliche Kultur für alle, von hochkarätigen Gastspielen und Konzerten bis hin zu lokalen Bildungsangeboten.
Blick nach vorn
Die Tagungsstätten- und Gastronomiegesellschaft Herne mbH (TGG) betont die Bedeutung der technischen Ausstattung für eine große Bandbreite an Veranstaltungsformaten. Nach Angaben von Geschäftsführerin Claudia Stipp lassen sich damit auch aufwendige Produktionen wie Konzerte von Tom Gaebel oder diverse Tribute-Formate erfolgreich umsetzen. Das KuZ verzeichne heute mehr Gäste als jemals zuvor. Der gute Ruf bei Kunstschaffenden, Agenturen und Kunden beruhe zudem auf dem Service vor Ort durch ein engagiertes Team.
Mit wachsenden Produktionen steigen allerdings auch die Anforderungen an Organisation, Ressourcen und Zusammenarbeit. Die Prozesse werden daher fortlaufend optimiert. Nach Angaben aus dem Haus füllt sich der Terminkalender bereits für das Jahr 2028.
Im September feiert Herne ein halbes Jahrhundert gelebte Kulturgeschichte und blickt auf ein Haus, das seine Rolle als kultureller Mittelpunkt der Stadt nach wie vor behauptet.
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