Herne kündigt neuen Ehrenamtsverein und ersten Botschafter an
In Herne soll das Ehrenamt neu strukturiert werden. Die Stadt kündigt dafür erstmals einen Ehrenamtsbotschafter an und will zusätzlich einen neuen Ehrenamtsverein gründen. Als Botschafter für das Ehrenamt wurde Prof. Dr. Matthias Kemen benannt.
Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda verweist dabei auf den neuen EhrenamtAtlas 2026, der auf einer repräsentativen Umfrage von WestLotto in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa basiert. Nach seinen Angaben liegt der Ehrenamtsfaktor in Herne bei 229 Stunden pro Jahr und Person und sei im Vergleich zu 2024 deutlich gestiegen. Der Wert aller Ehrenamtsstunden nach Mindestlohn wird mit 180,2 Millionen Euro angegeben.
Neuer Ehrenamtsbotschafter und Verein
Prof. Dr. Matthias Kemen war bis 2025 siebenundzwanzig Jahre als Chefarzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Herne tätig. Er will als Botschafter die Vielfalt des lokalen Engagements sichtbar machen und gemeinsam mit dem neuen Verein eine Anlaufstelle für Menschen sein, die sich einbringen möchten.
Der geplante Ehrenamtsverein soll das bürgerschaftliche Engagement fördern. Nach Angaben der Stadt gehören dazu Information, Beratung und Vermittlung von Freiwilligen sowie von Organisationen. Besonders kleinere Vereine und Initiativen sollen von Beratungs-, Unterstützungs- und Vernetzungsangeboten profitieren. Außerdem soll der Verein Akteurinnen und Akteure in der Stadtgesellschaft vernetzen sowie Anerkennungs- und Weiterbildungsveranstaltungen ausrichten. Das städtische Ehrenamtsbüro soll die Arbeit unterstützen.
Anerkennungskultur und Beteiligung
Ein Ziel der Neustrukturierung ist es, dem sinkenden Engagement entgegenzuwirken. Laut EhrenamtAtlas sank die Ehrenamtsquote in Herne von 56 Prozent im Jahr 2024 auf 44 Prozent in diesem Jahr. Die Engagierten wünschen sich nach Darstellung der Stadt, dass ihre Arbeit in der Öffentlichkeit stärker sichtbar wird und das Ehrenamt politisch mehr Wertschätzung erfährt. 82 Prozent der Engagierten nennen eine bessere Mitsprache und Mitgestaltung als wichtigstes Instrument der Anerkennung.
Besondere Aufmerksamkeit soll auch jüngeren Zielgruppen gelten. In Herne wird das Ehrenamt vor allem von der Generation „60Plus“ getragen, die 48 Prozent der ehrenamtlich Tätigen ausmacht. Menschen zwischen 18 und 29 Jahren sind hingegen nur zu 14 Prozent engagiert. Als mögliche Ansätze werden flexible, projektbezogene und digitale Formate genannt. In diesem Zusammenhang verweist die Mitteilung auch auf den Verein „ID55 – anders alt werden e.V.“, der sich mit Teilhabe, Toleranz, Selbstbestimmung und Mitverantwortung für ein vielfältiges Ruhrgebiet befasst. Mitgründerin Susanne Schübel will nach eigenen Worten Brücken zwischen Jung und Alt schlagen.
Standort im Demokratiezentrum Herne
Für die Arbeit des Ehrenamtsvereins sollen an zwei Tagen in der Woche Räume im Demokratiezentrum Herne im Stadt Forum an der Bahnhofstraße 65 genutzt werden. Der Standort liegt zentral in der Fußgängerzone, ist barrierefrei, fußläufig vom Bahnhof erreichbar und gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Mittelfristig soll der Verein eigene Räumlichkeiten in der Herner und Wanner Innenstadt beziehen.